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Advent
30 Nov

Jetzt wird es so richtig heimelig! Gerade schneit es und ich finde, das ist gerade recht, um Vorbereitungen für den Advent zu treffen. an diesen Wochenende ist es ja schon so weit und unsere Häuser und Wohnungen werden mit Tannenzweigen, Nüssen, Sternen und Kerzen geschmückt. Der Duft von herrlichem Räucherwerk zieht aber schon seit einigen Tagen oder Wochen um meine Nase und entführt mich auf ungeahnte Reisen zu mir selbst. In den letzten Wochen gab es viel zu tun: die Kindergartenkinder freuten sich über meinen Besuch, auch die Ausbildung in Wattens ging munter weiter und hat gestern einen wunderbar stimmigen Abschluss mit freundlichen, glücklichen Gesichtern, Urkunden, Brötchen, Zimt-Zupfkuchen und alkoholfreien Wildfrüchtepunsch gefunden. Dazwischen gestreut gibt es weiterhin einiges für den Hausbau zu organisieren, die Adventmärkte wollen auch vorbereitet werden. Und doch….gibt es immer wieder eine halbe Stunde, die ich ganz allein für mich habe. Das ist mir sehr wichtig, nur so kann ich mich auf die kommende Zeit einstimmen und nur so, gebe ich dieser Zeit ihren eigentlichen Sinn. Den Dezember habe ich auch bewusst frei gehalten. In diesem Monat biete ich keine Kurse an, ich genieße heuer an 2 Wochenenden die stimmige Adventmarkt-Atmosphäre in Rattenberg und in Hall und ab dem 12. Dezember ist es einfach nur noch still. Nur mein Sohn und ich. Die Zeit der Märchen, Geschichten, Lieder, Düfte und der Zauber der Vorweihnachtszeit. 

Was sich im Garten so tut

Eine feine Schneedecke hat sich über den Garten gelegt. Noch immer sieht man die Stängel der Sonnenblumen und ich kann die Gerippe der Damen Ringelblume, Raute und Rosen noch erkennen. Den Rosmarin habe ich mit Tannenzweigen zugedeckt, auch andere neue Pflanzenwesen, bei denen ich mir nicht sicher bin, wie sie über den Winter kommen werden, wurden mit Fleece oder Ästen sanft zur Ruhe gebettet. Die Vogelhäuschen sind wohl gefüllt – heuer werde ich keine Meisenknödel hinaus hängen. Unsere Vögel können sich im Netz verheddern und sterben einen qualvollen Tod. Ich werde nach guter alter Methode Blumentöpfe mit gutem Schweineschmalz, Körnern und Wildfrüchten füllen und diese aufhängen. Das Herstellen dieser Futterstationen ist eine wundervolle Beschäftigung für Kinder und Erwachsene, wenn es draußen kalt und ungemütlich ist. 

Genug ist, wenn….

…dir die Gier nicht mehr aus den Augen schaut (Gnuag isch, wenn dir die Gier nimmer aus die Augn ausserschaug). Bei den letzten Räucherkursen – wie bei fast allen meiner Workshops – hatten die Teilnehmerinnen manchmal leichte Zweifel an meinen Mengenangaben. Oft gebe ich nicht Gramm oder Milliliter an, sondern Teile. 1 Teil davon, 1/2 Teil hiervon, 3 Teile von diesem…da kommt dann spätestens nach der 3. Zutat die Frage: wie viel ist 1 Teil? Ich frage dann immer zurück: wie viel möchtest du herstellen? Ein Teil kann eine Tasse voll, 100 g, 3 Fingervoll oder 1 Kilo sein. Meistens ernte ich dann zweifelnde Blicke, die Teilnehmer werkeln wieder vor sich hin während ich erzähle. Irgendwann kommt dann etwas entnervt: „Ist das genug?“ Ich denke mir dann immer, ja, genug ist wenn du zufrieden bist. Und neulich hat eine Teilnehmerin von einem recht bekannten Südtiroler Kräutermann erzählt. Ihm wurde auch von einer Teilnehmerin die Frage gestellt: „ist das genug?“ – worauf er antwortete: „Genuag isch´s, wenn dir die Gier nimmer aus die Augen ausser schaug.“ Im Grunde hat er in einer gewohnt unverfälschter alpenländischer Art und Weise das ausgedrückt, was ich mir meistens denke. 

Dies aber so direkt zu hören hat etwas mit mir gemacht. Sofort ist mir eine Begebenheit bei einer Kräuterwanderung eingefallen. Eine Teilnehmerin hat – nach meinem Gefühl – über die Maßen Wurzeln ausgegraben und mitgenommen. Ich habe nichts gesagt, fühlte mich nachher aber nicht gut. Jetzt weiß ich, dass sie so handeln musste, sie wäre sonst nicht zuFRIEDEN gewesen. Es ist ja genug für uns alle da und unsere Geschwister die Pflanzenwesen geben und geben und geben.

Die Frage, wie viel nun ein Teil ist, hat aber nach längerer Betrachtung noch mindestens einen weiteren Aspekt. Nämlich jener des Selbstvertrauens. Traue ich mich, mehr zu nehmen, als die anderen? Scheine ich gierig? Wenn ich  weniger nehme, habe ich dann genug? Sind drei Fingervoll zuviel? Steht mir das zu? Wird das Rezept gut, wenn ich so viel nehme, wie ich meine, dass es passen könnte?

Anstatt beherzt zu zu greifen und einfach drauf los zu mischen, wird oft viel zu lange nach gedacht. Wenn die Gläser, Flaschen und Tiegel gefüllt sind und wirklich genug für alle da ist, wieso so zögerlich? Auf der anderen Seite gilt es aber natürlich auch ab zu schätzen: sind 10 Teilnehmerinnen und das Glas ist relativ klein, die Zutat sehr kostbar, dann ist Rücksichtnahme gefragt – jeder soll seinen Teil bekommen. Oft ist es schwer abzuschätzen, im Grunde zählt aber nur eins: Bin ich zuFRIEDEN, mit dem, was ich habe? Oder habe ich nachher ein schlechtes Gefühl, weil ich zuviel genommen habe und andere zu kurz gekommen sind? Bereue ich es, zu wenig genommen zu haben, obwohl genug da war und die Mischung mir gerade jetzt so gut tun würde? 

Adventkranz

Heute haben wir auch unsere Adventkränze gebunden. Das ist jedes Jahr wieder ein wundervoller Mutter-Tochter-Enkel-Nachmittag. Eine bindet, eine stellt die Büschel zusammen und einer verziert. Der Adventkranz ist ja angeblich erst im vorletzten Jahrhundert erfunden worden. Aber er ist viel älter – ich denke ja, dass er „wieder gefunden“ wurde. Ein Kranz aus immergrünen Gehölzen, der den Jahreskreis oder das Lebensrad darstellt. Ein niemals endender Weg von Geburt-Werden-Sein-Vergehen. Traditionell werden neunerlei Hölzer verwendet und es wird viel Sorgfalt in das Binden dieses Kranzes gelegt. 

Heute ist die Symbolik leider in Vergessenheit geraten. Es gibt kaum noch richtige Kränze. Es werden Gestecke auf Wurzeln, Steinen, Glasschalen, Tellern oder Holzstücken gebastelt, verziert mit allerhand Glitzer und Gefunkel. Wenn man Glück hat, findet man da oder dort ein grünes Zweiglein, das eher zufällig dort hin geraten sein mag. Manche sind sehr schön, aber eben sinnentleert. Am schlimmsten sind die Kränze, die aus Tannenimitaten aus Plastik gemacht sind. Ich finde das immer sehr traurig – die Rechtfertigung ist meistens: die können nicht brennen. Das stimmt, dafür können sie sonst auch nichts. 

Die Kerzen sind tatsächlich erst später auf den Kranz gekommen – sie stellen das Licht dar, das uns in dieser dunklen Zeit fehlt. Man zündet Kerzen an in der Hoffnung, die Sonne erbarmt sich unser und kommt wieder zurück – was sie ja auch am 21. Dezember dann tut. Aber dazu mehr in einem anderen Kräuterbrief. 


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