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Die Percht
21 Dez

Die dunkelste Zeit

Bevor ich mich in die Rauhnachtsruhe begebe, schreibe ich euch noch einen Kräuterbrief. Es ist nun die dunkelste Zeit, bereits um vier Uhr am Nachmittag wird es schon dämmrig und die warmen Stube lockt. Bei Kerzenschein, Kakao und Kekserl lässt es sich schon aushalten und es wäre ein Leichtes in sich zu gehen und sich auf die Geburt vor zu bereiten. Aber wir haben es verlernt. Anders als unsere Vorfahren erleben wir diese Zeit nicht mehr bewusst. Wir fliehen die Dunkelheit und stürzen uns geradezu verzweifelt in die grellbunte, pseudofestliche Welt der Kaufhäuser. Selbst daheim scheint es, als ob wir die Dunkelheit nicht aushalten wollen. Vor jedem Fenster, auf jedem Balkon, in jedem Garten leuchten Lichterketten – im besten Fall sind sie einfarbig, gelblich weiß. Aber das Bunte und Schrille hält auch hier Einzug. Dabei braucht unsere Seele gerade jetzt die Dunkelheit. In dieser Zeit soll sie die Hoffnung fühlen dürfen: wird es wieder hell? Kommt das Leben zurück? Wir sollen das Feuer, das Licht in unserem Inneren hüten und nähren, so wie unsere Ahnen das Feuer an der Feuerstelle gehütet haben.  

Die Percht

Lange habe ich überlegt, was ich schreiben soll. Über die Percht, die Raunächte oder Zwölften, die wilde Jagd. Im Grunde ist alles schon geschrieben – irgendwo. Weniges ist noch bekannt. In dieser Zeit soll man keine Wäsche aufhängen – die Percht könnte sich mit der Wilden Jagd darin verheddern und das bedeutet, dass es einen Todesfall in der Familie geben wird in diesem Jahr. Alle (Spinn-)Räder und Arbeit sollen still stehen – Frau Percht achtet penibel darauf. Auch hat nach Einbruch der Dunkelheit niemand mehr draußen zu sein – zu groß ist die Gefahr, dass die Percht dich entdeckt. Alles bekannt. Niemand kann das Rad neu erfinden und ich schon gar nicht. Nur noch wenige wissen um die Bedeutung und wenige scherten sich bis jetzt drum. Es findet langsam ein Umdenken statt und das erfüllt mich mit Freude. So habe ich mich entschlossen, euch heute zwei-drei Geschichten von der Percht und ihrer Wilden Jagd zu schenken. Sie hat segnende aber auch strafende Eigenschaften, aber seht selbst:

Berchtlsage aus Alpbach

Ein Viertelstündchen inner der Kirche liegt gegen die Thalerkögel und das Hösl zu am erlenbeschatteten Bache ein Dörflein, von recht schönen Obstangern und Feldungen umgeben. Dort war einmal am Gömachtabend beim Lederer Bauern, derweil die Mutter kochte, ein Mädchen vor der Tür und spielte ganz allein und war recht zufrieden dabei denn Kinder haben selten Langweile. Da kam ein steinaltes Weiblein daher – es war die Berchtl – und ging zu dem Kind hinzu und gab ihm einen verrosteten Vierer. Das Kind lief geschwind in die Küche hinein und gab ihn der Mutter. Diese tat ihn zu ihrem übrigen Geld und wollte dann dem Weiblein ein Küchel dafür hinaustragen, aber es war nirgends mehr zu sehen oder zu erfragen, es war verschwunden mit Laub und Staub. Seit der Zeit schaute es bei diesem Bauern aus, als wenn ihm Zeug und Sach durch den Kamin und die Fenster hineinkämen und auf seinem Gelde ruhte ein besonderer Segen.

(In dieser Sage steht der Segen spendende Zug der Perchtl im Vordergrund. Kinder, vor allem Mädchen, stehen besonders in ihrer Gunst.)

Bercchtlsage aus dem Tiroler Unterland

Am Gömachtabend war es vordem der Brauch, von allen Gerichten des Nachtmals einen Löffel voll dem Feuer zu geben. In manchem Hause ließ man auch das Übergebliebene auf dem Tische stehen für die Berchtl und ihre Kinder. Wenn alles schlafen war, kam sie dann und aß. Da wollte sie einmal einer belauschen und legte sich in den großen Backtrog hinein, der unter der Bank stand und schaute durch eine Spalte heraus. Die Berchtl kam wirklich. Sie war ein meeraltes Weiblein mit zerrütteten Haaren und trug ein so zerlumptes Gewand, dass zehn Katzen nicht im Stande gewesen wären, darin eine Maus zu fangen. Es waren auch viele Kinder bei ihr, Buben und Dirnlein, die hatten auch gerade so zaunzerrissene Kleider an. Da sagte die Alte zum Jüngsten: „Geh hin und  verstreich dort die Spalte, wo der Wunderwitz aussergafft.“ Das Kind ging zum Backtrog hin, fuhr mit dem Finger über die Spalte und der Mensch darin war augenblicklich stockblind. Das hatte er zum Lohn für die Neugierde, dass er Gespenster anschauen wollte, und niemand konnte ihm helfen. Auf den Rat eines erfahrenen Mannes setzte er sich am nächsten Gömachtsabend wieder in den Backtrog und klagte darin seine Not. Da kam wieder die Berchtl mit ihren Kindern, kostete von den Speisen auf dem Tisch und bevor sie ging, sagte sie zum gleichen Buben: „Geh zum Trog und tu´die Spalte wieder auf.“ Das Kind ging hin, blies durch die Ritze und der Blinde war wieder sehend, wie früher.

Die Berchtl bei der Brücke in Virgen (Osttirol)

Es mag so manche Tanne im Virgental umgehauen und an ihrer Stelle eine andere groß gewachsen sein, seitdem ein Bauer einmal mit der Berchtl eine seltsame Geschichte erlebte. Er ging in der Nacht vor dem Heiligen Dreikönigstage von Matrei heim und wie er weiter insTal hineinkam, war es schon tief in der Nacht und „Stockdunkel wie in einem Sack“. Er hätte die Finsternis mit Händen greifen können und durch das Tal pfiff ein eiskalter Wind. Es war dem guten Mann, der sonst eben nicht zu den furchtsamen Hennen gehörte und jede Stunde der Nacht schon mehr als zwanzig Mal auf „freier Weite“ zugebracht hatte, heut´gerade nicht zu Mute wie etwa einem Ranggler, der es mit jedem aufnehmen möchte und sagte deshalb fein andächtig: „Gott Lob und Dank!“, als er die Brücke erreicht hatte, von der es zu seinem Haus nicht mehr weit war. Aber da hörte er auf der anderen Seite ein Gemurmel von vielen Stimmen, als käme die „Wilde Fahrt“ daher, und um auf jeden Fall auszuweichen, möge es sein, was es wolle, stieg er unter die Brücke hinab, denn weit davon, dachte er, sei gut für den Schuss und setzte sich auf einen Stein, wo das Schneegestöber nicht zugekommen war. Da hörte er zahlreiche Schritte auf der Brücke und als sie hinüber waren, sagte eine Stimme: „Wartet, Kinder! Da unten ist ein Stock, in den muss ich dieses Hackl hineinhauen“ und in dem Augenblick stand die Berchtl vor ihm und schlug ein hackl in sein Knie, dass es steckte und verschwand dann, wei ein Nebel zergeht. Dem Bauer war jetzt noch weniger ums Lachen als zuvor, denn es war keine Möblichkeit mehr, das Hackl heruaszubringen. Er ging nach Hause und suchte dann Hilfe bei allen Geistlichen und Doktoren weit und breit, das Hackl aber blieb, ohne ihm Schmerzen zu bereiten, in seinem Knie. So war nun ein Jahr bald herum, denn die Zeit vergeht, ohne dass man es merkt und da kam ihm ein glücklicher Gedanke in den Sinn. Er ging in der Heiligen Dreikönigsnacht wieder hinaus zur Brücke und setzte sich auf den gleichen stein. „Vielleicht kommt die Berchtl“, dachte er, „und holt das Hackl ab.“ Und wirklich täuschte er sich nicht. Bald hörte er sie mit ihrem ganzen Gefolge über die Brücke gehen und als sie hinüber war, sagte sie: „Wartet! Voriges Jahr hab ich da unten in einem Stock ein hackl eingehauen, ich muss es wieder mitnehmen!“ Kaum gesagt, stand sie unten vor dem Bauer und zog ihm schnell das Hackl heraus, dass man nichts mehr spürte, wo es gesteckt hatte und war dann weg wie der Wind. Dem Mann aber war besser zu Mute als einer Armen Seele, wenn sie aus dem Fegfeuer erlöst wird, und ging, wie sich jeder leicht einbilden mag, freudiger heim zu als vor einem Jahr. 

(Die Wilde Fahrt oder Jagd ist das in den winterlichen Raunächten umziehende, wütende, dämonische Heer und wird als das Seelenheer der Toten gedeutet. Es wird von Perchta oder vom Wilden Jäger (Wotan), manchmal auch von allen beiden gemeinsam, angeführt. Alles was sich ihnen in den Weg stellt, wird niedergewälzt. Manche sehen in der Perchta oder Stampa auch eine Lichtgöttin, die nach der Wintersonnenwende mit ihrem Umzug das Zunehmen der Kraft der Sonne und des Lichtes unterstützt. Perchta duldet keine neugiereigen Beobachter. Wer diesem Tabu nicht respektiert, den haucht sie an, so dass er erblindet oder hackt ihm ihr Beil ins Knie, und der Betroffene muss ein ganzes Jahr lang – bis zu ihrem neuerlichen Erscheinen – damit leben. Nur die Perchta kann das Beil wieder entfernen. Die Axt ist ein uraltes Kraftsymbol. wegen ihrer Dreiecksform wird sie it dem weiblichen Schamdreieck symbolisch in Verbindung gebracht.) 

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Ich freue mich auf ein Wiedersehen im Jänner!

Die neuen Termine findet ihr in den nächsten Tagen unter Aktuelles/News und Angebot, sie werden in den kommenden Wochen laufend ergänzt!

 


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