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28 Sep

Der Blick aus meinem Fenster zeigt mir immer noch grüne Felder. Die Kühe kauen genüsslich und zufrieden das Gras, fein ist´s wieder im Tal zu sein. Auch die Bäume sind grün, aber man sieht schon die ersten roten und gelben Blätter. Ein wunderschönes Farbenspiel zeigt sich uns in den kommenden Wochen. Kleinere Sträucher haben schon mehr Gelb und Rot angesetzt. 

Gestern saß ich am Schreibtisch und habe diese Zeilen geschrieben, eine gute Schale Tee stand vor mir und ihr Duft zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht. Lauter gute Sommerkräuter und schon ein paar Herbstfrüchte haben sich im Teekessel zusammen gefunden. Ich überlegte, was ich am Abend mit meinen Kursteilnehmerinnen so anstellen werde. Es würde wohl unter anderem etwas mit Goldrute zu tun haben. Die fröhlichen gelben Wedel strahlen uns ja derzeit bei jeder Gelegenheit an. Es ist meistens die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis), sie fühlt sich an Wegesrändern und Bahndämmen sehr wohl. Langsam ist sie aber schon wieder beim Abblühen. Bei uns gibts dann noch die Große oder Riesen-Goldrute (Solidago gigantea), sie blüht etwas später, hat also jetzt ihren Höhepunkt und dann haben wir natürlich noch die Echte Goldrute (Solidago virgaurea). Sie ist die einzige richtig heimische Goldrute und unterscheidet sich auch in der Erscheinung von den anderen beiden. Die ersteren zwei sind Einwanderer aus Nordamerika – dort gibt es über 100 Goldruten-Arten. 

Die Echte Goldrute mag trockene Schläge und Waldränder, auf der sonnenzugewandten Seite ist ihr Stiel tiefrot gefärbt. Früher hieß sie „Heidnisch Wundkraut“ und ist eine der größten Heilerinnen bei Wunden, sie ist schmerzstillend und desinfizierend. Erst in den 1880er Jahren entdeckte man, dass sie auch ein großartiges Nieren- und Blasenheilmittel ist. Sie hilft am schnellsten bei entzündlichen Prozessen im Urogenital-Bereich und unterstützt auch bei Rheumaschüben. Da sie beim Trocknen sehr rasch aussamt und ausserdem die Wirkstoffe innerhalb eines halben Jahres rapide abgebaut werden, empfiehlt es sich, eine Tinktur aus dem blühenden Kraut an zu setzen. 

Die Kanadische Goldrute ist für Weidetiere giftig, wir können sie leicht mit einigen Greiskräutern verwechseln, aber wenn wir genau schauen, dann sieht man doch einige Unterschiede. Sie hat einen behaarten Stiel und wird bis zu 1,80m hoch. In ihrer Heimat Nordamerika haben die Ureinwohner sie bei Nierenleiden verwendet. Im Prinzip hat sie ähnliche Heilwirkungen wie die Echte Goldrute, aber die Kanadische soll einen sehr starken krebshemmenden Aspekt haben, speziell im Urogenitalbereich und bei den Nieren.  

Die Riesengoldrute ist – obwohl es ihr Name andeutet – nicht so groß wie die Kanadische. Sie hat keine Härchen am Stiel, sondern ist „bereift“. Das bedeutet, sie hat eine weißliche Schicht am Stiel, die man leicht abkratzen kann. Auch sie wirkt ähnlich wie ihre zwei Schwestern. Die Riesen-Goldrute ist aber am stärksten entzündungshemmend und auch stärker harntreibend, als die anderen zwei. 

Am Nachmittag ging´s raus!

Ich habe mich auf die Suche nach den drei Damen begeben. Wo ich die Kanadische und die Echte finden würde, wusste ich schon, aber bei der Riesen-Goldrute war ich mir nicht so sicher. So häufig trifft man sie nämlich nicht an, bei uns.  Ich war gespannt, was mir noch alles unter kommen wird. Vermutlich würde ich wieder alles Mögliche mit nach Hause schleppen. Ganz stark im Verdacht hatte ich dabei ein paar Holunderbeeren und Hagebutten. Ja, endlich ist es so weit! Die Hagebutten sind schön reif, ich hoffte, dass die Tiere nicht schneller waren. Mäuse, Vögel und andere Wildtiere lieben die Wildfrüchte und sie brauchen sie ja auch notwendig für den Winterspeck. 

Tja, so war es dann auch: ich habe die Kanadische und die Echte Goldrute gefunden, von der Riesen-Goldrute keine Spur. Ich werde mich weiterhin nach ihr umsehen. 

Natürlich habe ich einen Eimer Hollerbeeren gepflückt – das war aber heute Nachmittag, weil ich gestern keine Leiter dabei hatte. Mit den Hagebutten wurde es (noch) nichts. 

Kribbelt´s euch auch schon in den Fingern?

Die Wurzeln rufen, ich hör es ganz deutlich! Wer auf den Mond schauen möchte: ab nächsten Freitag könnte man starten. Wer es noch ganz leicht abwarten kann, der darf bis zum 8. Oktober warten, da ist der abnehmende Mond auch noch in einem Wurzel-Zeichen (Stier). Am 16. und 17. Oktober wäre es sogar noch besser, da ist Jungfrau und am 19. ist Neumond – der Wurzel-Grab-Tag schlechthin. Das ist eine Freude! Beim Wurzelngraben ist das Wetter nämlich einfach nur egal. Da kanns Eisenkeile regnen. Wurzeln sind ja sowieso immer feucht – es ist also vielleicht sogar wünschenswert, wenn die Sonne mal nicht vom Himmel strahlt. Manche graben ihre Wurzeln deshalb auch in der Nacht, nicht wegen dem Grusel-Faktor, sondern damit zum einen die Wurzel kein Sonnenlicht sieht und zum anderen, weil die Wurzel vielleicht einem Körperteil helfen soll, der gerade in der Nacht aktiv ist – Stichwort Organuhr. 

Zum Wurzelgraben verwende ich immer Kupferwerkzeug, manchmal auch ein Hirschgeweih – jaja, das ist traditionell DAS Wurzelgrabwerkzeug. Bitte nicht vergessen: wenn du eine Wurzel nimmst, dann bitte lass ein Dankeschön da. Das kann eine Kupfermünze sein, etwas Milch, Wein oder auch Spucke, ein paar Haare oder ein Stück deines Fingernagels. Die Pflanze gibt ihr Leben – ehre ihren Geist mit einer Gabe

Was ich in den letzten 2 Kräuterbriefen vergessen habe

Ich hätte Pflanzen zu vergeben, die heuer noch anwachsen würden: wer hätte gerne Baldrian, Alant und Königskerze in seinem Garten? Bitte melden, ich geb sie an gute Plätze ab und würde mich über einen Tausch sehr freuen 🙂 

 

 


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