Facebook

Hier darfst du dich auf Neuigkeiten, Rezepte und Tipps freuen.

Lichtmess…
30 Jan

…und wieder kündigt sich ein Übergang an. In den sogenannten „sozialen Netzwerken“ überschlagen sich die Ereignisse: welche „Hexe“, „Schamanin“, „Naturkundige“ usw wird wohl dieses Mal das Rennen um den ersten Beitrag gewinnen? Ist man zu früh dran, scheint man unprofessionell – „Die schon wieder, man soll im Hier und Jetzt ruhen und nicht ein Ereignis in zwei Wochen herbeischreiben“. Ist man zu langsam, dann heisst es, man würde abschreiben. Ich habe einen Mittelweg gefunden: ich halte mich einfach raus. Es kommt, wie es kommt. 

Ja, die Natur bereitet sich auf den nächsten Übergang vor. Die Nacht vom 1. auf den 2. Feber hat sich als Maria Lichtmess in unseren Köpfen verankert. Ursprünglich wurde der Übergang vom Winter in den Frühling Mitte Feber gefeiert. Wobei – wer weiß das so genau? Manche sagen, es ist ein Mondfest und wird im ersten Viertel des zunehmenden Mondes gefeiert. Manche sagen, alle Jahreskreisfeste (auch die Kreuzviertelfeste wie Lichtmeß (Imbolc), Walpurgis (Beltaine), Schnitterfest (Lughnasad) und Allerheiligen (Samhaein) seien Sonnenfeste. Im Grunde ist das doch nicht so ungeheuer wichtig. Wichtig ist, wie es sich für dich anfühlt und wie es in der Natur draußen aussieht. Ich persönlich werde sicher in den nächsten 7-10 Tagen meine Kerzen weihen und ein kleines Ritual für mich machen. 

Was es im Garten so los ist

Bei uns hier hat es ja noch gehörig viel Schnee und in den nächsten Tagen soll wieder welcher dazu kommen. Frau Holle gibt ihr Zepter nicht so leicht an die Frühlingsgöttin Brighid ab. Auch mir ist noch nicht so recht nach Wechsel zu Mute. Obwohl ich von dem ein oder anderen Dach schon kleine Eiszapfen hängen sehe, die ersten Fliegen schon frech sind und die Sonne bereits ein bisschen wärmt. 

An den Südhängen und dort, wo fleißig Schnee geschöpft wurde, schaut das braune Gras schon hervor und die wärmenden Strahlen der Sonne lassen die Schneeränder tropfen – der Frühling ist unaufhaltsam im Vormarsch. Der kommende Schnee kann seinen Triumph verzögern aber nicht verhindern. Was kommen soll, das kommt. 

Was hat es nun mit Lichtmeß auf sich?

Jedenfalls ist es ein uraltes Lichtfest. Der Wechsel vollzog sich nicht nur in der Natur, auch im Menschenleben fanden zu dieser Zeit häufig Änderungen statt. So gab es – und gibt es teilweise auch heute noch – das sogenannte „Schlenggeln“. Dienstnehmer wechselten ihren Dienstherren, sofern sie mit ihrer Arbeitsstelle nicht zufrieden waren. 

An Maria Lichtmeß wurde der gesamte Kerzenvorrat für das kommende Jahr gesegnet. Früher gab es nur Kerzen aus Schlick, Talg oder Bienenwachs. Der Brauch farbige Kerzen für bestimmte Anlässe zu weihen kam erst relativ spät auf und von manchen wird dies als neumodischer Kram bezeichnet. Ich finde es ist eine schöne Idee. So werden zB weiße Kerzen für das Gebet an Festtagen, rote Kerzen zur Abwehr von Unglück und schwarze Kerzen gegen Unwetter geweiht. 

Imbolc – das Fest der Brigid, der sehr jugendlichen Birkengöttin ist kein so öffentliches Fest wie zum Beispiel Walpurgis/Beltaine oder die Sonnwendfeiern. Allein schon der sehr enge Bezug der in dieser Zeit geehrten Göttinnen zum Herdfeuer, zu Haus und Hof lassen das Fest intimer ausfallen. Auch waren die Vorräte in den Speisekammern schon sehr geschrumpft und ein ausgelassenes Gelage allein deshalb eher kein Thema. Immer jedoch hat man dem Göttlichen und den Ahnen ein Opfer dargebracht. Sei es etwas Milch, Korn oder Essen vom Tisch gewesen, das man dem Herdfeuer übergab. 

Die Kräuter in der Haus- und Hofapotheke waren ebenfalls langsam aber sicher aufgebraucht. Frischer Nachschub wurde heiß ersehnt. Herr Huflattich mit seinen gelben Sonnenköpfchen lässt nun nicht mehr lange auf sich warten – gerade rechtzeitig. Nicht nur früher, auch heute noch plagen zur Hochwinter-Zeit Husten und Erkältung die Menschen. Leider ist der gute Herr Huflattich sehr in Verruf geraten in den letzten 30-40 Jahren und das, wo er doch so ein Segen ist! Er enthält nämlich Pyrrolizidinalkaloide, das sind Stoffe die im Verdacht stehen Leberschädigend zu wirken. Allerdings nehmen wir im Normalfall niemals so große Mengen zu uns, als dass diese Alkaloide Schlimmes in unserem Körper anrichten könnten. Es sei denn, man hat bereits einen Leberschaden – da sollte man besser etwas Vorsicht walten lassen. 

Früher hat man Huflattich noch in der Apotheke kaufen können – ist er doch ein hervorragender Helfer bei Husten. Besonders bei jenem Husten, der dann auftritt, wenn der Huflattich seine gelben Sonnenköpfchen aus der Erde reckt. Huflattich gibt einen hervorragenden Tee und er ist auch Bestandteil vom Wanderhustensirup. 

…und manchmal…

…hadert man mit bestimmten Übergängen. Wenn man noch im Hier und Jetzt bleiben darf, ein lieber Mensch aber hinüber geht. Wenn die Seele entscheidet, dass in diesem Leben alle gewünschten Erfahrungen gemacht worden sind und die Zeit reif ist für die nächste Runde. 

Auch in diesem Jänner sind bei uns im Ort – wie auch im letzten Jänner – auffällig viele Menschen gestorben. Ich habe fast alle  gekannt. Zwei von ihnen haben mich von Kindesbeinen an begleitet. Es schmerzt zu sehen, wie die Menschen gehen. Endgültig für dieses Leben. Ich wollte sie doch noch besuchen. Nächste Woche. Oder bald. Ich hätte ihm gerne nochmal die Hand gedrückt, mit ihr gelacht und geplaudert – zu viele Gelegenheiten dazu habe ich verstreichen lassen. Nun gibt es keine mehr. Die meiste Zeit fühle ich, dass es gut so ist. Manchmal kommen Erinnerungen an seine Augen und an sein verschmitztes Lächeln, an ihre warme Stimme. Wie sie meinen Namen sagten und was sie mir auf meinen Weg mitgegeben haben. Weise, alt, ohne besserwisserischem Unterton, manchmal unbewusst. Gütig und nachsichtig, oft ungehört und jetzt wieder erinnert. Manchmal sind Übergänge gar nicht schön. Immer sind sie unaufhaltsam. Das Rad des Lebens dreht sich und dreht sich und dreht sich.

Das Element des Überganges, das Wasser fließt. Es beginnt nicht nur im Frühling zu fließen, wenn der Schnee schmilzt. Es fließt aus meinen Augen und nimmt einen Teil des Schmerzes und lässt mich lächeln über die schönen Momente, die in meiner Erinnerung lebendig sind. Ich weiß, sie werden verblassen. Aber ab und zu werden wie wieder an die Oberfläche kommen und mich an sie erinnern – an all die Menschen, die ich lieb habe und nicht mehr sind. Ich weiß auch, dass mich jeder Übergang etwas lehrt. Und sei es auch nur: zu akzeptieren.


2 Responses to Lichtmess…

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.