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Tag Archives: Beinwell

August – Ausklang
23 Aug

Frühherbst

Kaum zu glauben! Jetzt ist der August auch schon wieder fast vorbei. Seid ihr auch alle fleissig beim Sammeln, Trocknen, Verarbeiten? Diese Jahreszeit ist schlichtweg traumhaft! Die Fülle des Sommers ist noch da, aber die Hitze ist verflogen. Die klare Herbstluft lässt durchatmen und dieses unvergleichliche Blau des Himmels gibt es nur jetzt. In der Früh ist alles taunass und der Boden ist beim Barfußgehen merklich kühl. Die Nachmittage laden zum Wandern ein und die Haselnüsse locken. Genau so, wie die ersten Hollerbeeren. Ich freu mich schon, der Saft schmeckt so herrlich und ist auch noch gesund! Wenn sie bei euch schon reif sind, dann vergesst bitte ja nicht, Hollerbeeren zu sammeln und zu entsaften – nächstes Mal erfahrt ihr, warum!

Was sich im Garten so tut

Vorgestern hatte ich eine private Kräuterwanderung der besonderen Art. Eingestellt auf eine kurze Wanderung zu den Wildkräutern und einem anschließenden Plausch über sammeln, verarbeiten und verwenden, saßen wir fast die ganze Zeit vor dem Gartenhaus und haben von dort aus meinen Kräutergarten betrachtet. Immer wieder schickte eine Kräuterelfe einen Gruß und wir folgten ihm. So besprachen wir das Johanniskraut, Frau Zitronenmelisse, Herrn Beinwell und ja, die anderen kennt ihr ja schon aus meinen früheren Blogs. Eine gute Fee hat es uns aber ganz besonders angetan – immer wieder schweiften unsere Gedanken zur Dame Frauenmantel und immer wieder kamen in unseren Gesprächen Themen auf, die gerade zu dieser wunderhübschen, extrem heilkräftigen und hochwirksamen Pflanzendeva passten. Passend ist auch die Zeit – wir sind ja mitten im Frauendreißiger!

Ihr kennt sie sicher, sie ist eine der wichtigsten Frauenheilpflanzen in der Volksheilkunde. Die Dame Frauenmantel ist ein Rosengewächs und uns Frauen ganz besonders wohl gesonnen. Ihre Blätter haben die Form eines Schutzmantels und wenn du im Mai die sogenannten Guttationstropfen (= der sogenannte „Tau“) die sich in den Blättern bilden, sammelst und sie mit etwas Alkohol vermischt, hast du einen wunderbaren Auraspray. Dieser schützt dich vor unliebsamen Energien und hüllt dich wohlig – mütterlich ein. Die gute Frauenmantel-Frau wirkt hormonell ausgleichend, auch für den Mann! So sollte jeder Mensch einmal im Jahr eine 2wöchige Kur mit Frauenmanteltinktur oder Tee machen, auch wenn man keine Beschwerden hat! Die Dame enthält verschiedene wertvolle Gerbstoffe, wie zum Beispiel das Agrimoniin, welches Krebszellen (speziell Brustkrebszellen) schon im Entstehen zerstören kann. Ausserdem sind die Gerbstoffe gewebefestigend und -straffend, wundheilend und auch stopfend. Wenn du vor der Regel Brustspannen hast, dann kannst du dir mit dem Frauenmantel ein Öl ansetzen und dir damit den Busen einreiben, das hilft sehr und ist eine Wohltat. 

Herr Beinwell ein Frauenversteher?

Ja, wer hätte das gedacht? Der beste Heiler für Knochen, Haut, Sehnen und arthritischen Gelenken ist ein hervorragender Helfer bei Osteoporose. Dieses furchtbare Übel befällt hormonbedingt hauptsächlich uns Frauen nach der Menopause. Aber wenn man die Tinktur auf D4 (homöopatisch) potenziert und dann regelmäßig einnimmt, hilft dies hervorragend die Knochen wieder zu stärken. Diese Tinktur auf D2 oder eben auf D4 potenziert hilft eingenommen auch bei Knochenbrüchen! Herr Beinwell ist ein sehr guter Zellerneuerer und besonders gut geeignet um Parodontose zu heilen. Du liest richtig – wenn du Zahnfleischbluten hast, dann massiere dein Zahnfleisch sanft mit der Tinktur (etwas verdünnt) ein. Noch besser hilft´s, wenn der Mond zu nimmt. Manche verwenden bei Zahnfleischbluten Herrn Salbei – der ist zwar auch ein großer Heiler, aber hier eher fehl am Platz, weil er so zusammenziehend wirkt und das Problem möglicherweise noch verschlimmert. Herr Beinwell regeneriert und lässt wieder (zusammen) wachsen. Er wirkt wunderbar entzündungshemmend und ist das Mittel der Wahl bei Brustdrüsenentzündung. Hierfür werden die Blätter etwas gequetscht und dann aufgelegt. Den jungen Mädchen und auch Burschen hilft diese entzündungshemmende Eigenschaft, wenn sie Akne haben. Dazu stellst du einen Brei aus den Blättern und etwas Wasser her und legst es dann auf die entzündete Stelle. Der Brei hilft übrigens auch bei Furunkeln.

Aufräumarbeiten

Schön langsam geht´s ans Zusammenräumen. Gestern habe ich alle restlichen Karotten heraus genommen, viel war nicht dran. Nächstes Jahr muss ich sie etwas sorgfältiger säen oder eben pikieren. Die Tomaten habe ich auch ordentlich ausgegeizt, damit sie noch reifen können. Wir ernten schon laufend, aber viele sind noch ganz grün. Die Buschbohnen dürfen genau so wie die Zwiebel noch etwas verweilen. Herr Borretsch hat nur noch ganz wenig von seiner Fülle behalten dürfen, nach den Regentagen war er ein trauriger Anblick. Ich hoffe, er konnte sich noch anständig vermehren – ich freu mich schon auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr. Bei Herrn Alant und Herrn Baldrian ist es auch an der Zeit sich zu verabschieden. Herr Alant hat sich aber auch ausgebreitet! Was mach ich mit ihm bloß? Hat vielleicht jemand einen schönen Flecken für diese majestätische Pflanze? Ich würde im Herbst den Wurzelstock teilen – wobei ich fast befürchte (oder insgeheim eher hoffe), dass ihn das zu noch größerem Wachstum anspornt! Du meine Güte. Die Apfelminze hat sich zu einer wunderhübschen Blüte durchgerungen – wie schön sie ist! Die vornehmen Damen Sonnenblumen lassen auch schon langsam ihre Köpfe hängen, ich bin gespannt, wann die ersten Vögel kommen um die köstlichen Samen heraus zu picken. Ach – so ein Garten ist doch viel schöner und unterhaltsamer als Fernsehen!

Ich wünsche euch fröhliches Tautreten!

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Schnitterfest, Ernte und wer sich neuerdings in meinem Garten einfindet
27 Jul

Schnitterfest, Lughnasad

Bald ist der Juli auch schon wieder vorbei. Er war feucht und alles sog das labende Nass in sich auf – was für eine Wohltat nach dem trockenen und heißen Juni. Das Ernten geht weiter und die verblühten Samenstände werden bereits geschnitten. Wir nähern uns dem 2. August – dem uralten Schnitterfest Lughnasad. Für unsere Altvorderen bedeutete dies, dass die Muttergöttin ihren Geliebten – den Vegetationsgott – eine erste Verletzung zufügte.

Für unser heutiges Verständnis ist diese Denkweise etwas verstörend. Für unsere Ahnen war das zyklische Denken von Tod und Wiedergeburt selbstverständlich.

Das Mysterium beginnt als die große Muttergöttin ihren Sohn – den Sonnengott – zur Wintersonnenwende zur Welt bringt. Sie war zu Lichtmess die junge Lichtgestalt, zu Ostern die Fruchtbarkeit bringende Frühlingsgöttin. Der junge Gott war immer ihr Begleiter als Hirsch oder grüner Junker, grüner Mann, grüner Jäger. Zu Beltane (Walpurgis) fanden sie zusammen, um der Erde Fruchtbarkeit zu schenken, zur Sommersonnenwende nahm sie sich ihn zum Gemahl – beide sind am Höhepunkt ihrer Kraft und Fruchtbarkeit – und nun wird er wieder schwächer, sie verletzt ihn mit ihrer Sichel. Sie wird langsam zur reifen Frau und schließlich wird er zur Herbst-Tag-und-Nachtgleiche (Mabon, Erntedank) getötet, geopfert um die Ernte für das nächste Jahr zu sichern. Sie wird zur alten, weisen, unfruchtbaren Frau und zieht sich schließlich mitsamt der Vegetation zu Samhain (Allerheiligen, Allerseelen) in die Unterwelt zurück. Der Jahreskreis schließt sich. 

Traditionell beginnt also rund um den 2. August (es ist ein Mondfest) die Getreideernte, aber auch symbolisch oder energetisch kann nun geerntet werden, was wir in den letzten Monaten gesät, gepflegt und gehegt haben. Sei es ein Projekt, das wir angefangen haben und das schon erste Früchte trägt, oder eine schon lange geplante Reise kann jetzt angetreten werden. Es gibt viele Möglichkeiten und nun ist es eben an der Zeit, die Ernte ein zu fahren. 

Was sich in meinem Garten so alles tut…

Aber auch alles Alte, was nicht mehr benötigt wird, was eine Last geworden ist, kann jetzt mit einem klaren Schnitt verabschiedet werden. Platz für Neues. Wie beim Lavendel, den Rosen oder dem Baldrian. Nach der Blüte schneidet man sie etwas zurück und wenn der Sommer lang genug dauert, kommt eine zweite Blüte. Ich habe Herrn Baldrians Samenstände geschnitten. Es ist eine mächtige Pflanze in meinem Garten und wie ich sehe, hat er schon tüchtig für Nachwuchs gesorgt. Mehr Baldrian verträgt mein Garten nicht. Herr Borretsch hat nach einem sehr starken Regenguss auch alles hängen lassen und so hab ich ausgelichtet. Zum Vorschein kam Herr Beinwell, er hat sich von dem frühsommerlichen Schock (mein Vater hat ihn nicht erkannt und die „Bletschn“ (tirolerisch für große, nutzlose Blätter) ausgerissen) erholt. Ich hab ihn wieder zusammengesammelt und was noch übrig war eingesetzt. Jetzt blüht er zu meiner großen Freude neben Frau Stockrose, die auch schon ihre Knospen angesetzt hat. Ich bin ja schon so gespannt, was für eine Farbe sie haben wird.

Die Dame Sonnenhut blüht ebenfalls, aus ihren Blüten und Blättern kann man eine kraftvolle Tinktur für Grippezeiten ansetzen. Bei den Korbblütlern – unter anderem gehört eben Frau Sonnenhut aber auch Frau Kamille zu dieser Familie – sieht man, wie lange die Pflanze schon blüht. Man erkennt es daran, wie hoch der Bogen ist, den der Blütenboden macht. Wenn bei Frau Sonnenhut der Boden schon halbkugelig ist, dann blüht sie schon zu lange. Je flacher der Blütenboden ist, desto besser sind die Blüten zum Sammeln geeignet.

Zwischen den Karotten, die übrigens ziemlich ins Kraut schießen – hoffentlich wird das noch was mit den Rübchen, lugt das Kaspappele hervor. Vornehm sagt man „die Käsepappel“ oder auch „Wegmalve“ zu ihr. Den Namen Käsepappel hat sie von ihren Samenständen, die aussehen wie winzige Käselaibe. Sie schmecken köstlich und ihre Blätter – und ja auch ein paar Blüten, wegen der Farbe – helfen überall dort, wo Schleimhäute verletzt sind. Bei Halsschmerzen, Husten aber auch in der Speiseröhre, im Magen- oder Darm sind sie sehr hilfreich. Legt sich doch ihr Schleim schützend und wohltuend über die wunden Stellen. Aber ACHTUNG: den Malventee niemals warm ansetzen oder gar kochen!  Alle Schleimstoffe gehen verloren – das ist übrigens bei den meisten Schleimstoffkräutern so! Man gibt drei Finger voll von den Blättern in kaltes Wasser und lässt es 8 besser noch 12 Stunden stehen. Danach kann es abgeseiht werden und maximal auf Körpertemperatur angewärmt werden – damit es nicht gar so „gesund“ schmeckt. Und dann runter damit! Die Wohltat ist schon nach wenigen Minuten spürbar. 

Es geht ans Verarbeiten

Obwohl ich mir versprochen habe, dass ich in diesem Jahr ganz sicher nicht wieder 10 Liköre ansetzen werde, stehen schon wieder zwei große Flaschen da. Ich bin gespannt, wie viele es in diesem Jahr werden. Die Wildbeerenernte hat ja noch nichtmal richtig angefangen! 

Neulich wurde ich gefragt, ob sich die Anschaffung eines Dörrapparates rentieren würde. Erst gestern ist mir das wieder durch den Kopf gegangen, als ich dachte, wie froh ich doch um meinen bin. Er hat vier Gitter und das ist fast schon zu wenig. Gerade jetzt in dieser Zeit, wo viel zum Ernten ist und die Sonne sich aber versteckt, brauche ich ihn dringend. Ich habe 2 Stellagen mit Rosenblütenblättern, 1 Stellage mit gemischten Blüten und 1 Gitter wird derzeit mit Steinpilzen belegt. Sobald die trocken sind, kommen Minzen und Bergbohnenkraut dran. Die habe ich vorgestern – in der trockenen Zwischenphase – gesammelt, derweil  auf Butterpapier aufgelegt, aber im Dörrer geht es halt etwas flotter. Wenn es warm und trocken ist, dann bevorzuge ich natürlich die Methode mit aufhängen oder aufbreiten, aber jetzt ist das eindeutig die bessere Variante. Im Spätsommer und Herbst werden dann die Vogelbeeren, Hollerbeeren, Hagebutten und das Gemüse für die Suppenwürze im Dörrer getrocknet – alles, was am Ofenblech des Holzherdes nicht Platz hat. Ausserdem ist so ein Dörrapparat unglaublich platzsparend – nicht jeder hat einen „Trockenturm“ zuhause herumstehen. 

Wenn ich Salze oder Zuckermischungen mit frischen Kräutern und Blüten mache, dann ist der Dörrer auch hervorragend zum trocknen der Schätze geeignet. Ich kann die Temperatur genau einstellen und auch die Dauer, so gehen fast keine wertvollen Inhaltsstoffe verloren und die Farben bleiben auch erhalten. Wer Kräuter sammelt und diese nicht vorwiegend in Tinkturen konservieren möchte, noch dazu wenig Platz hat, der ist mit einem Dörrapparat sicherlich gut bedient. 

Wer schaut denn da herein?

Sonderbar, Anfang Juni noch hab ich mir gedacht, wie schade es ist, dass es bei uns nur noch so wenige Taubnessel gibt. Ich mag sie gerne und meine Oma hat mich immer in den Baumgarten geschickt, um ihr die weißen Blütchen zu sammeln, damit sie sie für einen guten Frauentee trocknen kann. Ich erinnere mich noch gut daran, wie die Ameisen empört über meine Fingerchen gekrabbelt sind. Sie schätzen es ja garnicht, wenn man die „Weiden“ ihrer Blattläuse weg nimmt. Der etwas eigene Duft ist mir in Erinnerung, wenn ich an sie denke. Ja und heute habe ich am Ende der Kräuterwanderung in einem Eck unseres Gartens einen kleinen Flecken mit lauter Taubnesseln entdeckt. Und das Spannende daran: sie blühen JETZT! Normalerweise blühen sie Ende Mai bis Mitte/Ende Juni und dann sind sie weg. Die Freude ist groß, jetzt habe ich endlich eine wichtige Zutat für meine Frauentropfen direkt vor der Haustüre. Die weiße Taubnessel ist ja so heilsam für den Unterleib der Frau. Sie ist sehr schleimstoffhaltig und daher heilend für die Schleimhäute. Sie hilft bei Entzündungen im Vaginalbereich, bei unregelmäßiger Periode und bei Weissfluß. Hier helfen sowohl Tees als auch Spülungen und Sitzbäder. 

Die sogenannte „Gelbe“ oder Goldene Taubnessel ist übrigens das Pendant dazu für Männerleiden – Prostata und Entzündungen im männlichen Uro-Genitalbereich.

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