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Tag Archives: Borretsch

Schnitterfest, Ernte und wer sich neuerdings in meinem Garten einfindet
27 Jul

Schnitterfest, Lughnasad

Bald ist der Juli auch schon wieder vorbei. Er war feucht und alles sog das labende Nass in sich auf – was für eine Wohltat nach dem trockenen und heißen Juni. Das Ernten geht weiter und die verblühten Samenstände werden bereits geschnitten. Wir nähern uns dem 2. August – dem uralten Schnitterfest Lughnasad. Für unsere Altvorderen bedeutete dies, dass die Muttergöttin ihren Geliebten – den Vegetationsgott – eine erste Verletzung zufügte.

Für unser heutiges Verständnis ist diese Denkweise etwas verstörend. Für unsere Ahnen war das zyklische Denken von Tod und Wiedergeburt selbstverständlich.

Das Mysterium beginnt als die große Muttergöttin ihren Sohn – den Sonnengott – zur Wintersonnenwende zur Welt bringt. Sie war zu Lichtmess die junge Lichtgestalt, zu Ostern die Fruchtbarkeit bringende Frühlingsgöttin. Der junge Gott war immer ihr Begleiter als Hirsch oder grüner Junker, grüner Mann, grüner Jäger. Zu Beltane (Walpurgis) fanden sie zusammen, um der Erde Fruchtbarkeit zu schenken, zur Sommersonnenwende nahm sie sich ihn zum Gemahl – beide sind am Höhepunkt ihrer Kraft und Fruchtbarkeit – und nun wird er wieder schwächer, sie verletzt ihn mit ihrer Sichel. Sie wird langsam zur reifen Frau und schließlich wird er zur Herbst-Tag-und-Nachtgleiche (Mabon, Erntedank) getötet, geopfert um die Ernte für das nächste Jahr zu sichern. Sie wird zur alten, weisen, unfruchtbaren Frau und zieht sich schließlich mitsamt der Vegetation zu Samhain (Allerheiligen, Allerseelen) in die Unterwelt zurück. Der Jahreskreis schließt sich. 

Traditionell beginnt also rund um den 2. August (es ist ein Mondfest) die Getreideernte, aber auch symbolisch oder energetisch kann nun geerntet werden, was wir in den letzten Monaten gesät, gepflegt und gehegt haben. Sei es ein Projekt, das wir angefangen haben und das schon erste Früchte trägt, oder eine schon lange geplante Reise kann jetzt angetreten werden. Es gibt viele Möglichkeiten und nun ist es eben an der Zeit, die Ernte ein zu fahren. 

Was sich in meinem Garten so alles tut…

Aber auch alles Alte, was nicht mehr benötigt wird, was eine Last geworden ist, kann jetzt mit einem klaren Schnitt verabschiedet werden. Platz für Neues. Wie beim Lavendel, den Rosen oder dem Baldrian. Nach der Blüte schneidet man sie etwas zurück und wenn der Sommer lang genug dauert, kommt eine zweite Blüte. Ich habe Herrn Baldrians Samenstände geschnitten. Es ist eine mächtige Pflanze in meinem Garten und wie ich sehe, hat er schon tüchtig für Nachwuchs gesorgt. Mehr Baldrian verträgt mein Garten nicht. Herr Borretsch hat nach einem sehr starken Regenguss auch alles hängen lassen und so hab ich ausgelichtet. Zum Vorschein kam Herr Beinwell, er hat sich von dem frühsommerlichen Schock (mein Vater hat ihn nicht erkannt und die „Bletschn“ (tirolerisch für große, nutzlose Blätter) ausgerissen) erholt. Ich hab ihn wieder zusammengesammelt und was noch übrig war eingesetzt. Jetzt blüht er zu meiner großen Freude neben Frau Stockrose, die auch schon ihre Knospen angesetzt hat. Ich bin ja schon so gespannt, was für eine Farbe sie haben wird.

Die Dame Sonnenhut blüht ebenfalls, aus ihren Blüten und Blättern kann man eine kraftvolle Tinktur für Grippezeiten ansetzen. Bei den Korbblütlern – unter anderem gehört eben Frau Sonnenhut aber auch Frau Kamille zu dieser Familie – sieht man, wie lange die Pflanze schon blüht. Man erkennt es daran, wie hoch der Bogen ist, den der Blütenboden macht. Wenn bei Frau Sonnenhut der Boden schon halbkugelig ist, dann blüht sie schon zu lange. Je flacher der Blütenboden ist, desto besser sind die Blüten zum Sammeln geeignet.

Zwischen den Karotten, die übrigens ziemlich ins Kraut schießen – hoffentlich wird das noch was mit den Rübchen, lugt das Kaspappele hervor. Vornehm sagt man „die Käsepappel“ oder auch „Wegmalve“ zu ihr. Den Namen Käsepappel hat sie von ihren Samenständen, die aussehen wie winzige Käselaibe. Sie schmecken köstlich und ihre Blätter – und ja auch ein paar Blüten, wegen der Farbe – helfen überall dort, wo Schleimhäute verletzt sind. Bei Halsschmerzen, Husten aber auch in der Speiseröhre, im Magen- oder Darm sind sie sehr hilfreich. Legt sich doch ihr Schleim schützend und wohltuend über die wunden Stellen. Aber ACHTUNG: den Malventee niemals warm ansetzen oder gar kochen!  Alle Schleimstoffe gehen verloren – das ist übrigens bei den meisten Schleimstoffkräutern so! Man gibt drei Finger voll von den Blättern in kaltes Wasser und lässt es 8 besser noch 12 Stunden stehen. Danach kann es abgeseiht werden und maximal auf Körpertemperatur angewärmt werden – damit es nicht gar so „gesund“ schmeckt. Und dann runter damit! Die Wohltat ist schon nach wenigen Minuten spürbar. 

Es geht ans Verarbeiten

Obwohl ich mir versprochen habe, dass ich in diesem Jahr ganz sicher nicht wieder 10 Liköre ansetzen werde, stehen schon wieder zwei große Flaschen da. Ich bin gespannt, wie viele es in diesem Jahr werden. Die Wildbeerenernte hat ja noch nichtmal richtig angefangen! 

Neulich wurde ich gefragt, ob sich die Anschaffung eines Dörrapparates rentieren würde. Erst gestern ist mir das wieder durch den Kopf gegangen, als ich dachte, wie froh ich doch um meinen bin. Er hat vier Gitter und das ist fast schon zu wenig. Gerade jetzt in dieser Zeit, wo viel zum Ernten ist und die Sonne sich aber versteckt, brauche ich ihn dringend. Ich habe 2 Stellagen mit Rosenblütenblättern, 1 Stellage mit gemischten Blüten und 1 Gitter wird derzeit mit Steinpilzen belegt. Sobald die trocken sind, kommen Minzen und Bergbohnenkraut dran. Die habe ich vorgestern – in der trockenen Zwischenphase – gesammelt, derweil  auf Butterpapier aufgelegt, aber im Dörrer geht es halt etwas flotter. Wenn es warm und trocken ist, dann bevorzuge ich natürlich die Methode mit aufhängen oder aufbreiten, aber jetzt ist das eindeutig die bessere Variante. Im Spätsommer und Herbst werden dann die Vogelbeeren, Hollerbeeren, Hagebutten und das Gemüse für die Suppenwürze im Dörrer getrocknet – alles, was am Ofenblech des Holzherdes nicht Platz hat. Ausserdem ist so ein Dörrapparat unglaublich platzsparend – nicht jeder hat einen „Trockenturm“ zuhause herumstehen. 

Wenn ich Salze oder Zuckermischungen mit frischen Kräutern und Blüten mache, dann ist der Dörrer auch hervorragend zum trocknen der Schätze geeignet. Ich kann die Temperatur genau einstellen und auch die Dauer, so gehen fast keine wertvollen Inhaltsstoffe verloren und die Farben bleiben auch erhalten. Wer Kräuter sammelt und diese nicht vorwiegend in Tinkturen konservieren möchte, noch dazu wenig Platz hat, der ist mit einem Dörrapparat sicherlich gut bedient. 

Wer schaut denn da herein?

Sonderbar, Anfang Juni noch hab ich mir gedacht, wie schade es ist, dass es bei uns nur noch so wenige Taubnessel gibt. Ich mag sie gerne und meine Oma hat mich immer in den Baumgarten geschickt, um ihr die weißen Blütchen zu sammeln, damit sie sie für einen guten Frauentee trocknen kann. Ich erinnere mich noch gut daran, wie die Ameisen empört über meine Fingerchen gekrabbelt sind. Sie schätzen es ja garnicht, wenn man die „Weiden“ ihrer Blattläuse weg nimmt. Der etwas eigene Duft ist mir in Erinnerung, wenn ich an sie denke. Ja und heute habe ich am Ende der Kräuterwanderung in einem Eck unseres Gartens einen kleinen Flecken mit lauter Taubnesseln entdeckt. Und das Spannende daran: sie blühen JETZT! Normalerweise blühen sie Ende Mai bis Mitte/Ende Juni und dann sind sie weg. Die Freude ist groß, jetzt habe ich endlich eine wichtige Zutat für meine Frauentropfen direkt vor der Haustüre. Die weiße Taubnessel ist ja so heilsam für den Unterleib der Frau. Sie ist sehr schleimstoffhaltig und daher heilend für die Schleimhäute. Sie hilft bei Entzündungen im Vaginalbereich, bei unregelmäßiger Periode und bei Weissfluß. Hier helfen sowohl Tees als auch Spülungen und Sitzbäder. 

Die sogenannte „Gelbe“ oder Goldene Taubnessel ist übrigens das Pendant dazu für Männerleiden – Prostata und Entzündungen im männlichen Uro-Genitalbereich.

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Sonnwendzeit – Orakelzeit
28 Jun

In der Sonnwendzeit wird nicht nur gefeiert, sondern auch fleißig Orakel gelesen. Den Margeriten und Gänseblümchen werden die Blütenblättchen ausgezupft, um zu erfahren, ob man geliebt wird. Die Bauern haben allerlei Regeln und Lostage. Gestern war zum Beispiel einer: Siebenschläfer. Es heißt, dass das Wetter für 7 Wochen so bleibt, wie es gestern war. Also ich bin zufrieden. Aber es gibt ja diese Kalenderreform, nach welcher einfach 10 Tage gestrichen wurden, damit der Kalender wieder mit dem Frühlingsanfang übereinstimmt. Der sehr ungenaue Julianische Kalender wurde zum weniger ungenauen Gregorianischen Kalender. Demnach wäre Siebenschläfer erst in 10 Tagen. Wir dürfen gespannt sein – ich werde mir das gestrige Wetter merken und das Wetter am 7. Juli beobachten und schauen, was sich in den nächsten 7 bzw. 8 Wochen am Himmel so tut.

Sonnwend-Kräuter und Sonnwend-Buschen

Ich habe viele Rückmeldungen auf den letzten Kräuterbrief bekommen, unter anderem mit der Bitte, den Unterschied zwischen Sonnwendbuschen und den Kräuterbuschen zu Maria Himmelfahrt – dem Beginn des Frauendreißigst zu erklären. Das mache ich gerne!

Die typischen Sonnwendkräuter sind von Region zu Region verschieden. Im Grunde handelt es sich hier um Kräuter, die gerade blühen und zugleich Unwetter und Unheil abwenden sollen. Darum ging es in dieser Zeit – die Ernte, die gerade im Gange war oder unmittelbar bevor stand, soll nicht durch Unwetter, Hagel oder „Verhexung“ zerstört werden. So sammelte man klassische Abwehrpflanzen wie Alant, Johanniskraut, Schafgarbe, Beifuß, Königskerze, Rainfarn, Ehrenpreis und so weiter und band aus jeweils 7 oder 9 verschiedenen Kräutern einen Buschen – also einen Strauß.

Nahte ein Gewitter so warf man einen Teil des Buschens in das Herdfeuer um so das Unheil ab zu wehren und die Ernte zu retten. Mancherortens band man auch einen Gewitterräucherstab aus den Kräutern und ging bei Gefahr um Haus und Hof.

Bei uns kam der Gewitterräucherstab heuer schon am 23. zum Einsatz. Es wollte ein Hagel kommen und den konnte ich einfach nicht gebrauchen – die Kräuter stehen in voller Blüte und das Gemüse ist kurz vor der Ernte….es gab dann auch nur Gewitter und Regen.

Diese besagten Kräuter wehren aber nicht nur Gewitter & Co ab – man kann sich aus ihnen auch eine schöne Mischung zusammenstellen und sie zum Beispiel gegen Mobbing oder auch bei Streitigkeiten in der Familie verräuchern. Diese Pflanzen nehmen die Spannung aus der Atmosphäre und man spürt das auch!

Der Kräuterbuschen zu Maria Himmelfahrt wurde als Haus- und Hofapotheke für den kommenden Winter gesammelt und gesegnet. Doch dazu mehr in einem der August-Blogs!

 

Was es sonst noch zu tun gibt

Die letzten Holunderblüten habe ich noch rasch in Jojobaöl angesetzt. Dieses herrlich duftende Öl eignet sich sehr gut als Salbengrundlage für strapazierte, rissige, gestresste Haut. Auch Kamillenöl habe ich angesetzt. Kamille ist entzündungshemmend und sehr hautfreundlich.

Mein Jasmin-Öl, das ich gleich nach dem Urlaub angesetzt habe, riecht leider gar nicht nach Jasmin. Trotz guter Pflege (täglich lüften und schütteln), ist es nicht so gut gelungen – ich werde noch eine Woche warten und dann schauen, was daraus geworden ist.

In unserem Garten gibt es einen sagenhaften Radieschen-Boom! Radieschen wohin man schaut – und die sind lecker!!!! Aber es ist jetzt höchste Zeit sie zu ernten, bevor sie holzig werden. Bin schon fleißig beim Verteilen – soviele Radieschen weg zu futtern schafft unsere Familie nicht. Dabei sind sie so gesund! Sie entwässern und unterstützen die Verdauung, nebenbei wirken sie antibakteriell und sind krebshemmend. Regelmäßiger Verzehr soll die Symptome bei Bronchitis lindern. Diese Wirkung entfalten die kleinen Wunderkugeln durch die enthaltenen Senfölglycoside, die machen sie auch so schön scharf.

Heute musste ich mich von ein paar Borretschpflanzen verabschieden. Der Gute wuchert überall herum und lässt den Malven, dem Salbei und auch den Rosen fast keinen Platz mehr. Einzig Herrn Alant scheint das Gewusel um seine Beine nichts aus zu machen. Ja und auch Herr Baldrian versteht es, sich den Wilden mit den blauen Augen vom Leibe zu halten. Er scheint eine Aura um sich zu haben, die ihn schützt. Aus seiner Wurzel kann man einen Tee oder eine Tinktur machen, beide wirken stark beruhigend aber NICHT schlaffördernd, er regt das Träumen an. Wenn dich etwas beschäftigt, was in der Zukunft liegt, wenn dich etwas belastet und dich nicht mehr los lässt, dann ist Baldrian die richtige Wahl. Liegt diese Thematik jedoch in der Vergangenheit, so hilft Hafer als Tee oder auch als Tinktur.

Ach ich liebe diese Ansammlung der verschiedensten Pflanzendevas in meinem Garten! 

Bei uns ist es jetzt auch an der Zeit, die Knospen und Blüten vom Johanniskraut zu ernten. Ich setze damit immer das heilsame Johanniskraut- oder Rotöl an. Wenn es einen Monat in der Sonne oder in der Wärme steht, dann nimmt es den wundervollen, blutroten Farbton an. Diese Farbe kommt vom Hypericin, das zugleich auch einer der wichtigsten Wirkstoffe im Johanniskraut ist. Dieses Öl kann man wunderbar als Massageöl bei Verspannungen und Muskelschmerzen einsetzen. Es eignet sich auch bei kleinen Hautverletzungen, vor allem aber auch bei Verbrennungen und Sonnenbrand. Im Winter, wenn wir aufgrund des Sonnen- und Lichtmangels manchmal in eine verstimmte Phase rutschen, holt uns der Johanniskraut-Blüten-Tee wieder aus der Lethargie. Aber auch ein Tropfen des Öls auf ein Stück Brot geträufelt und gut eingespeichelt genossen, bringt die Sonne in den Magen und in den ganzen Körper!

Bei übermäßigem Genuss muss man aufpassen: Johanniskraut kann Lichtempfindlichkeit verursachen und es kann die Wirksamkeit mancher Medikamente (zB Anti-Baby-Pille) beeinflussen – das heisst verstärken oder abschwächen.

 

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