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Tag Archives: Farnsame

Sommer-Sonnwendzeit
20 Jun

Spürt ihr das auch?

Ja, es geht untrüglich dem Höhepunkt des Jahres entgegen! Es ist heiß, die Nächte sind lau – auch in unseren Breiten kann man endlich ohne Jacke draußen sitzen. Es ist wunderbar – am frühen Morgen einen kleinen Spaziergang zu machen um den Duft des Sommers ein zu atmen. Am Nachmittag wird das Heu eingebracht und es riecht einfach himmlisch.

Der typische Heugeruch kommt übrigens von den Cumarinen, die sich erst beim Trockenvorgang von verschiedenen Pflanzen entwickeln. Deshalb lässt man den Waldmeister auch einen Tag welken, bevor man Sirup aus ihm macht. Beim Ruchgras, das bei uns überall in den (mageren) Wiesen noch wächst und ein uraltes Räuchermittel ist, ist es das selbe.

Cumarine machen uns schläfrig-entspannt. Entspannung ist es auch, das man bei den berühmten Heubädern bekommt – wegen der Cumarine! Wer einen niedrigen Blutdruck hat, sollte vorsichtig mit cumarinhaltigen Pflanzen umgehen – Schwindel, Kopfweh, Übelkeit bis hin zum Erbrechen könnten auftreten.

Sonnwend-Zeit

Springt ihr in diesem Jahr auch über das Sonnwendfeuer? Mancherorts heissen die Feuer in dieser Zeit Johannifeuer oder Herz-Jesu-Feuer (obwohl der Herz-Jesu-Sonntag ja schon 1 Woche früher ist). In letzter Zeit erinnert man sich wieder an den Ursprung und die Herz-Jesu-Johanni-Sonnwendfeuer vereinen sich wieder in der eigentlichen Zeit – jener der Sommer-Sonnenwende. Wie im letzten Kräuterbrief schon angedeutet, sind es ja – genau wie zur Winter-Sonnenwende – um die 12 Tage oder Nächte, die speziell sind.

Diese 12 Tage sind im Grunde ein Spiegelbild der 12 Raunächte rund um die Winter-Sonnenwende. Auch in den Sommernächten wird Orakelt und die Schleier zwischen den Welten sind besonders durchlässig. Viele überlieferte Bräuche, deren Ursprung und wirklicher Sinn vergessen wurden, werden teilweise heute noch ausgeübt. So wird über das Sonnwendfeuer gesprungen, um die Fruchtbarkeit der Erde und der Menschen zu sichern. Man treibt auch das Vieh durch die Feuer, zum selben Zweck. Durch die Flammen werden Krankheiten abgestreift und transformiert. So bindet man sich einen Gürtel aus Beifuß (Artemisia vulgaris) um und springt über das Feuer. Anschließend wird der Gürtel mitsamt allen „Würmern und Dämonen“ verbrannt.

Kräuter, wie das Johanniskraut, der Beifuß, Farne und viele mehr in dieser Zeit gesammelt, haben ganz besondere Heilkräfte. Beim Sammeln musste man vorsichtig sein, denn wenn einem ein „Farnsame“ zu Mittag des 23. Juni (Johanni) in den Schuh fiel, verirrte man sich ins Feenreich – und bekanntlich kommt man von dort nicht mehr so leicht weg bzw. vergeht dort die Zeit anders als in der diesseitigen Welt. Es konnte aber auch passieren, dass man Hellsichtig wurde und vergrabene Goldschätze finden konnte. Dies war aber oft mit Auflagen verbunden, wenn man die nicht erfüllte, fand man zuhause dann – anstatt der vermeintlich gefundenen Goldklumpen – Kartoffeln oder Steine vor.

Ja, diese Zeit ist voller Magie und unsere Ahnen nahmen dies noch wahr. Es ist gut möglich, dass sie sich bewusst in einen Rauschzustand mit verschiedenen haluzinogenen Pflanzen versetzten, das ändert nichts daran, dass sie viel mehr Eins mit den Naturwesen waren. Für sie war es ganz normal, dass Elfen, Zwerge, Feen und andere Naturgeister um sie herum existierten. Und zu besonderen Zeiten wie den Sonnenwenden, konnte der Kontakt zu diesen Wesenheiten eben ganz besonders leicht hergestellt werden.

Und ganz ehrlich: es ist schon magisch, wenn man an einem lauen Sommerabend im Freien sitzt. Die Leuchtkäfer schwirren zwischen den Rosen umher, vielleicht brennt ein kleines Feuer, sonst gibt es kein Licht. Man genießt ein Glas Met oder Wein und sieht in der Glut verschiedene Gestalten glimmen. Herrlich – und ein Labsal für unsere Seele, die von solchen Augenblicken lange zehrt.

 

Sirup-Zeit, Blattläuse und Almkräuter

Meine Holunderblüten-Sirup-Produktion habe ich auch abgeschlossen. Dieses Jahr habe ich zusätzlich zum Hollersirup einen sehr köstlichen MSM-Sirup angesetzt. MSM steht für Melisse-Salbei-Minze. Das Rezept findest du im Newsletter. Herrlich spritzig und einfach lecker! 

Ich schaue gerade in den Garten – wie sind wir doch gesegnet! Rosa Kornblumen, Raute, Mutterkraut, Ringelblume alles blüht! Der Salbei will es genau wissen – er reckt seine wunderhübschen violetten Blüten in die Sonne, dass es nur so eine Freude ist! Das Johanniskraut hat sich in diesem Jahr sehr beeilt und wird morgen – spätestens übermorgen die ersten Blüten öffnen. Auch die ersten Borretschblüten lugen schon zwischen den Buchsbäumchen hervor. Die Kamille und der Baldrian haben keine Läuse mehr – und ich weiss nicht warum. Manchmal muss man Dinge einfach SEIN lassen. Eine Kunst, die mir nicht immer gelingt. Dabei fängt die Brennesseljauche gerade so schön an zu stinken!

Langsam wird es an der Zeit daran zu denken, die Kräuter in den höheren Regionen zu besuchen. Sie sind zwar im Frühjahr immer später dran als ihre Geschwister im Tal, dafür sind sie schneller in der Blüte und dann ist der Zauber auch schon wieder vorbei. Die kurze Vegetationszeit zwingt sie, ihren Wachstumszyklus in relativ kurzer Zeit ab zu schließen. Da heisst es für uns Kräuterweiblein den richtigen Zeitpunkt zu wissen oder heraus zu finden. Oft gehe ich hinauf um Quendel, Schafgarbe, Silbermantel, Speik und Meisterwurz zu sammeln. Es ist erstaunlich, wieviel kräftiger und lebendiger zum Beispiel die Schafgarbe ist. Wenn ich etwas besonderes mit den Kräutlein anstellen möchte, dann schaue ich immer, dass ich zumindest diese fünf in der Höhe sammeln kann. 

Was ich besonderes mit den Almkräutern anstelle könnt ihr in einem der nächsten Blogs lesen!

Schöne Sommer-Sonnwend-Zeit!

 

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