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Tag Archives: Herbst

Vom Kranksein, Hutziehen und Kniebeugen
13 Sep

Letze Woche war ich krank. Ich konnte nicht anders, reihum hat es uns fast alle erwischt und man schenkte mir zwei halbe Nachmittage zum Auskurieren. Trotz Kranksein waren diese Nachmittage äußerst erholsam und ich hatte das Gefühl, dass ich das gerade JETZT wirklich brauchte. Es war ein wunderschöner, ereignisreicher Sommer und der Herbst verspricht anstatt Ruhe eher rege Betriebsamkeit. Also nahm ich dieses Geschenk in dieser „Zwischenzeit“ dankbar an.

Ich wurde natürlich gefragt, was ich denn gegen diesen „grippalen Infekt“ machen würde und dass ich sicher so meine Mittelchen habe und ganz schnell wieder fit sein würde. Ja klar habe ich solche Kräuterhelfer und ja klar wäre ich schnell wieder „einsatzbereit“ gewesen. Aber wollte und sollte ich das? Ich hatte kaum Fieber, etwas Kopfschmerzen, Husten, Heiserkeit und die Nase war verstopft. Zu diesen Gelegenheiten kommen bei mir auch immer diese obligaten Fieberblasen, also Lippenherpes dazu. Ich habe nichts gemacht, ausser am Abend früh ins Bett zu gehen. Schlaf ist für mich immer ein großer Heiler. Ich denke, es schien für andere schlimmer, als es war, vielleicht war ich auch nur bereit dafür. Jedenfalls habe ich, wie gesagt nichts genommen und habe den Luxus sehr genossen, dass ich weder um meinen Arbeitsplatz Angst haben musste, noch dass ich mich jetzt in ein Wartezimmer setzen musste, mit noch kränkeren Menschen.

Meinen Sohn hat´s etwas schlimmer erwischt, er hatte starke Kopfschmerzen und Fieber. Hier habe ich natürlich fast das gesamte Register gezogen…Mütter eben 😉

Wie so ein „Alle-Register-ziehen“ bei Grippe ausschaut

Also zu allererst ab ins Bett. Wenn´s einem so richtig lausig geht, dann schläft man ohnehin von selbst sehr viel – der Körper braucht das. Folgende Maßnahmen sollten natürlich immer so gestaltet werden, dass es dem Kranken angenehm ist. 

  • Nackt oder mit einer ganz dünnen Bettdecke schlafen. Die Hitze soll abziehen können. 
  • Bei Fieber Wadenwickel (sogenannte Essigpatscherl) machen. Hierzu reicht eigentlich Wasser, man kann jedoch einen Spritzer Essig hinzu geben. ACHTUNG: der Temperaturunterschied soll maximal 1 Grad unter der aktuellen Körpertemperatur sein! Sobald die Wickel warm sind, entfernen und erst nach 2-3 Stunden wiederholen. 
  • Eine Schüssel mit dampfenden Wasser und Erkältungskräutern (Holunder, Mädesüss, Thymian, Fichtennadeln, Pfefferminze,…) hinstellen, damit der Schlafende die Wohltuenden ätherischen Öle einatmen kann.
  • Trinken. Am Besten einen Tee aus Holunder, Mädesüss und Thymian mit etwas Honig gesüsst. Oder pures, nicht zu kaltes Wasser.
  • einen feuchten, kühlen Lappen auf die Stirn.
  • Bei Husten gebe ich immer 3x am Tag von meinem „Wanderhustensirup“. Gerne wechsle ich auch mit Thymiantropfen oder Spitzwegerichtropfen.
  • Bei Fieber und Grippesymptomen gibts bei mir auch das Holundergemmomazerat oder auch Holundertropfen – die helfen ausgezeichnet!
  • Ruhe, Ruhe, Ruhe!
  • Bei Halsweh gibts Zwiebel-Schweineschmalz-Halswickel, Salbeitee oder Tropfen und zum Gurgeln eine ganz leichte Salzlösung. Wenns sehr schlimm ist, dann habe ich Bibernellwurzeltropfen oder Braunelletropfen parat.

Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ich wende NIEMALS alles auf einmal an – weniger ist fast immer mehr! Der Kranke sollte nicht gestresst werden und wenn einmal eine Therapie nicht sofort anschlägt, dann darf man ruhig etwas Geduld haben. Sollte sich natürlich binnen 3 Tagen keine Besserung einstellen, dann gehts auf jeden Fall ab zum Arzt!

Vorbeugen ist immer besser als dann im Bett zu liegen

Meistens erwischt einem die Grippe ja im Winter oder eben in den Übergangszeiten, wie jetzt eine ist. Auch November-Dezember und dann wieder Feber-März sind so typische Grippezeiten.

Wenn man nicht 3-4 mal im Jahr grippig sein will, dann sollte man bei Zeiten vorsorgen. Gerade jetzt im Herbst eigenen sich zwei Kräuterhelfer hervorragend dafür.

An erster Stelle ist hier natürlich der Holler zu nennen – vor dem Holunder zieh den Hut – das wussten schon unsere Ahnen. Wenn du im Oktober-November jede Woche 2-3 mal eine Zubereitung aus den Hollerbeeren zu dir nimmst, dann hast du eine wunderbare natürliche Grippeimpfung. Das kann Marmelade, Sirup, Hollermandl (Hollerkoch), Hollersuppe oder auch mal ein Likörchen sein. Diese Kur stimuliert unser Immunsystem ungemein und bereitet es auf allerlei Bakterien und Viren vor.

Sollte dich trotz allem die Grippe oder ein grippaler Infekt erwischen, so wird diese bei weitem nicht so stark, wie sonst.

Als zweites möchte ich den Wacholder nennen – vor ihm sollst du gar niederknien. Mit soviel Ehrfurcht haben unsere Altvorderen den stacheligen Gesellen behandelt! Er ist ja auch wahrlich ein Meisterheiler! Eine Beerenkur (siehe „September-Tipp) im Oktober erspart dir die Grippe das ganze Jahr. Seit jeher werden die Triebspitzen verräuchert, wenn eine Grippe oder andere ansteckende Krankheiten die Runde machen. Krankenzimmer wurden immer mit Wacholder ausgeräuchert „wider der fliegenden Pestilenz“.

Was sich sonst noch tut 

Morgen Donnerstag findet die letzte wöchentliche Kräuterwanderung für dieses Jahr statt. Danach geht´s ab in den Garten, jetzt wird richtig aufgeräumt. Ich hab mit den Ringelblumen und den paar restlichen Borretschpflanzen noch ein bisschen gewartet, weil immer noch so viele Bienen da waren und ich es einfach nicht über´s Herz gebracht habe, ihnen ihr Futter zu nehmen. Aber nach den Regentagen – und heute hatte es sogar schon einen ganz leichten Reif – hängen sie einfach nur noch welk in der Gegend herum. Ausserdem wird es nun wirklich kalt und die Gartenwesen dürfen und möchten sich gerne zurückziehen. Ihre Zeit ist schön langsam vorbei.

 

Achja – was ich im Kräuterbrief vergessen habe…

Ich hätte ein paar Baldrianpflanzen, ein paar Königskerzen, Ringelblumen- und Mohnsamen, Alantwurzeln (ab Oktober) und vor allem auch Johanniskrautpflanzen ab zu geben – also zu verschenken oder gerne auch zu tauschen. Es finden sich sicher noch mehr Damen und Herren in meinem Garten, die einen guten, neuen Platz finden möchten, die fallen mir aber gerade nicht ein. Wenn wer Interesse hat – bitte meldet euch 🙂

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Kaum kündigt sich der Herbst an…
06 Sep

…schaut auch schon der Schnee von den Bergspitzen. Das war jetzt wahrlich kein sanfter Übergang. Aber vielleicht bekommen wir ja einen wunderschönen, feinen Altweibersommer. Der Name kommt übrigens von den feinen Spinnfäden, die so zauberhaft und geheimnisvoll durch die Luft schweben, wie lange, silberne Frauenhaare. 

Im letzten Kräuterbrief habe ich kurz angedeutet, dass der Herbst die Zeit des Feierns ist. Das kündigt sich im September schon an, wenn die bekränzten Kühe, Ziegen und anderen Tiere von den Almen kommen. Auch heute müssen sie die teilweise langen Wege von der Alm bis zu ihrem Heimatstall zu Fuß bewältigen. Aber den Tieren macht das nichts, sie sind vom Sommer in den Bergen gut beisammen, wie man so schön sagt. Auch tragen sie ihren Schmuck mit Stolz und sie freuen sich, wieder im Tal zu sein. Auch die Menschen sind froh, wenn auf der Alm nichts passiert ist oder wenn eine gute Ernte eingefahren werden konnte. Man war dankbar für die Gaben, die Mutter Erde so gerne verschenkt. Man war nicht achtlos und nahm alles für selbstverständlich. Eine tief empfundene Dankbarkeit, Zufriedenheit und Glück machte sich im Herbst breit. So gibt es auch heute noch Kirchtage, Almatriebsfeste, Erntedankfeste und vieles mehr, bevor Kathrein (Hl. Katharina im November) den Tanz einstellt. 

Ab Michaeli, also dem 29. September, hat auf der Alm kein Mensch mehr was zu suchen. Dann gehört das Reich wieder den Kasermandln, das sind die Alm- oder Naturgeister, die sich während des Sommers weit in die Berge hinauf zurück ziehen. Wehe dem, der es wagt, nach Ende September noch auf der Alm zu sein. Eigentümliche Geschichten hört man von jenen, die dieses Gebot missachtet haben.

Ihr werdet merken, dass ich im Herbst die ein oder andere Geschichte erzählen werde. Traditionell verlagerte sich mit dem kürzer werdenden Tag die Arbeit ins Haus. Dort spann man die Wolle oder den Flachs, man reparierte Arbeitsgerät, nähte, strickte, schnitzte und ruhte sich auch mal aus. In den Stuben fanden sich also alle Bewohner des Hofes ein, der Bauer und die Bäuerin, Mägde, Knechte und natürlich die Kinder und die noch lebenden Großeltern sowie unverheiratete Onkel oder Tanten. Da wurden oft Geschichten, Märchen und Sagen erzählt. Sie sind Nahrung für die Seele, genau so, wie das Graben und Wühlen mit den bloßen Händen in der Frühlingserde, wie das Streifen durch den blühenden Sommergarten oder Musik und Tanz zum Erntedank. Geschichten und Märchen dürfen nicht unterschätzt und als Unfug oder Kinderkram abgetan werden. Wenn man sich ihnen hingibt, eröffnen sie einem ungeahnte Welten, Einblicke und Erkenntnisse. 

Was sich im Garten so tut

Langsam lässt auch die Zucchini-Pflanze nach – sie hat sich in diesem Sommer wahrlich verausgabt. So eine reiche Zucchiniernte hatte ich noch nie. Die Buschbohnen konnten schon gepflückt werden, die Stangenbohnen sind noch ganz gelb, die brauchen etwas länger. Es hat wieder geregnet, die Tomaten verfaulen schön langsam an den Stauden. Ausserdem habe ich genug geerntet – es waren 7 kg! Ich denke, ich werde einige von ihnen heraus nehmen, damit die Kräuter unter und hinter den Stauden – die haben ja heuer wirklich gewuchert – noch ein bisschen Licht bekommen. Dort habe ich ja im Frühling richtige Schätze eingepflanzt. Eine Zitronenmelisse, zwei Rosmarin, einen Thymian, Griechischen Bergtee und das Kraut des Lebens Jiaogulan. Ich hab sie lange schon nicht mehr zu Gesicht bekomen – ich bin gespannt, wer die Tomaten überlebt hat. Ich werde euch auf dem Laufenden halten. Kürbisse leuchten orange und gelb zwischen den dichten Blättern hervor – es ist so ein fröhliches Volk, die Kürbisse, Gurken und Zucchini! Ich freu mich schon auf die erste orange-gelbe Kürbiscremesuppe mit gerösteten Kürbiskernen und ein bisschen Safran. 

Die lieben Wurzeln 

Langsam ist es auch an der Zeit, sich gedanken darüber zu machen, welche Wurzeln man im Winter bzw. nächstes Jahr so braucht. Bis Ende Oktober haben wir ja Zeit, eigentlich bis zum November-Neumond. Danach ist alles „Puka“ das heisst, wir entnehmen nichts mehr dem Pflanzenreich, es gehört wieder alles den Naturgeistern und Mutter Erde nimmt ihre Kinder in ihr Reich mit hinab um sie schlafen zu legen. Auch wenn noch genügend Zeit bleibt, sollten wir uns bereits auf die Suche begeben. Nicht jedes Jahr stehen die Pflanzen an der gleichen Stelle und ab und zu „verschwinden“ sie auch, wie zum Beispiel das Salomonssiegel. Das könnte rein theoretisch bereits Ende Juni gegraben werden, da alle oberirdischen Teile absterben und sich die Kraft bereits in der Wurzel befindet. Wenn du trotzdem auf den Herbst warten möchtest, solltest du die Stelle unbedingt markieren – sonst findest du die Wurzel nie wieder!

Von den Wurzeln nehmen wir nicht so viel – sie sind sehr heilkräftig und oft genügen eine oder zwei. Ich brauche in diesem Jahr unbedingt wieder Bibernelle, Beinwell, Angelikawurz, Meisterwurz und Blutwurz. Aus meinem Garten werde ich Alant und Liebstöckelwurzel nehmen. Aus der Liebstöckelwurz kann man eine wunderbare Sehnensalbe herstellen. Löwenzahnwurzel ist im Herbst eine Wohltat für die Bauchspeicheldrüse, Brennesselwurzeln kann man jetzt dann ebenfalls wieder ernten. 

Was sich sonst noch tut 

Vor ein paar Tagen habe ich Brennesseln geerntet. Ich schneide immer das obere Drittel ab und lege die Pflanzen dann zum Trocknen auf ein Tuch. Nach wenigen Tagen sind sie trocken, nun brauche ich nur noch drauf zu klopfen – aber Achtung, sie können auch in trockenem Zustand noch ganz schön brennen! Nach dem Draufklopfen nehme ich die Stängel mit den Blättern weg und übrig bleiben die Samen – das Viagra der Alpen 😉 Die Brennesselsamen sind ein echtes Power-Food, man kann sie in Smoothies geben, in den Salat, in Suppen oder ins Müsli. Sie haben mehrfach ungesättigte Omega3-Fettsäuren, unzählige Spurenelemente, Mineralstoffe und Vitamine. Die Brennesselsamen geben Kraft, nach langer und schwerer Krankheit, schwächlichen Kindern oder alten Menschen. Es ist so einfach sie zu gewinnen und sie sind so gesund! 

Heut war ich auch noch Hollerbeeren sammeln. Sowas – von weitem schaut es immer so aus, als ob alle schön prall und reif sind und wenn man dann näher kommt, gibts fast jedes Mal eine Überraschung. Entweder die Beeren sind unerreichbar weit oben, die herunten haben die Vögel schon vernascht. Manchmal sind es auch Leute, die es entweder nicht erwarten können, bis sie reif sind, oder einfach schneller sind als andere. Oder sie sind noch grün oder schon verdorrt. Heute hatte ich von allem ein bisschen und so werde ich – wieder einmal – Hollerbeeren in Etappen sammeln. Ist auch in Ordnung, ich mach´s ja gerne! Die Ausbeute war also nicht so riesig, dafür habe ich ordentlich Berberitzen (Sauerdorn, auf Stubaierisch: Poaßlbeern) gefunden! Heuer ist ja wieder ein sehr gutes Jahr – man sieht sie schon von weitem, die rot leuchtenden Sträucher! Auch wenn sie nicht sehr ergiebig sind, man sollte sie sammeln – sie sind ein guter Vitamin C Lieferant, also sehr sauer. Man kann sie trocknen und dann für einen Tee mörsern oder einfach ab und zu ein paar getrocknete Beeren naschen. Das bringt Abwechslung und ist gesund. 

Ich wünsche euch goldene Tage!

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Es geht so schnell…
29 Aug

Übermorgen ist September, gerade noch habe ich mich über den Besuch von Frau Gundelrebe gefreut und jetzt kann ich schon bald die Mohnkapseln ernten. Erstaunlich. Im Sein vergeht die Zeit nicht so schnell, wie in der Rückschau. Endlos schienen die Tage im Juni, das Genießen der warmen Abende am offenen Feuer im Garten. Der köstliche Duft, der vom Holunder herüber wehte und um die Sonnwendzeit fanden sich so viele freundliche und fröhliche Naturwesen ein in meinem Garten. Sie sind schon noch da, aber eine leise Ahnung vom Abschied liegt in der Luft und die Zeit vergeht.

Vor ein paar Tagen rief mich eine Dame vom Tourismusverband an. Sie sei bei der Vorbereitung des Veranstaltungskalenders für nächstes Jahr und ich möge ihr doch bitte meine Termine bekannt geben. Du meine Güte! Im Grunde freue ich mich ja, dass an mich gedacht wird. Aber es ist AUGUST! Mit dem nächsten Jahr habe ich mich noch überhaupt nicht beschäftigt. Oft denke ich mir, wir sind es selbst, die die Zeit so schnell vergehen lassen, wieso muss man im August schon wissen, was man im März des nächsten Jahres macht? Ich habe ein paar Termine zusammengesucht und durch gegeben. Heute denke ich mir, ob das wirklich nötig ist und verspreche mir, mich im nächsten Jahr nicht mehr vor dieses Joch spannen zu lassen. Alles hat seine Zeit und alles ist für etwas gut – ich habe gelernt und bin dankbar für diese Lektion. 

Was sich im Garten so tut

Im Garten gibt es wenig neues. Die Tomaten reifen nach und nach, ich habe gemerkt, dass ich schnell sein muss – es gibt offenbar einige Mitesser. Schnecken sind es eher nicht, da habe ich zwar gestern Nr. 8 in diesem Sommer den Damen Hennen übergeben, aber die Menge ist dermaßen überschaubar, dass es andere Übeltäter sein müssen. Jedenfalls schmecken die Tomaten einfach umwerfend! Ich werde mir glatt ein paar Samen für nächstes Jahr auf die Seite tun. Die Kohlrabi haben wir gestern auch heraus geholt und bei den Rohnen (Rote Beete) wird es nicht mehr lange dauern – sie dümpeln so richtig gemütlich vor sich hin, vom Wachsen halten sie offenbar nicht mehr wirklich viel. Das ist einfach so, es ist halt nicht mehr die Zeit zum Wachsen. Es ist die Zeit der Ernte und der Dankbarkeit. Die Herrschaften Zwiebel werde ich auch diese Woche heraus nehmen, zu Zöpfen flechten und zum Trocknen aufhängen, eine Kostprobe versprach herrliche Geschmackserlebnisse! Zumindest für eine Zwiebel. Bei den Kräutern geht die Ernte auch weiter – die Ringelblume im 2tages Rhythmus, ein paar Johanniskrautblüten gehen auch noch. Thymian, Majoran, Zitronenmelisse und auch Minze geht bald wieder. Ansonsten habe ich meine Gartenkräuterernte für dieses Jahr mehr oder weniger abgeschlossen. Einige Wurzeln und Rinden im Oktober und dann lasse ich – was das Kräuterernten angeht – Ruhe einkehren.

Nächstes Jahr kommt wieder die Königskerze! Achja, Herr Hopfen…

Ich habe ihre kleinen Rosetten entdeckt – zwar an einem denkbar ungünstigen Standort (zwischen den Steinstufen der Treppe) – aber ich bin so dankbar und froh, dass es ihr bei mir gefällt. Letztes Jahr war sie da und hat ordentlich für Nachwuchs gesorgt. Frau Königskerze ist zweijährig sie setzt im ersten Jahr die Blattrosette an und im nächsten Jahr wächst daraus eine sehr majestätische Erscheinung. Ihre Blüten sind wunderbar bei Husten – allerdings sollte man den Blütentee gut abseihen, weil sonst die feinen Härchen im Hals kratzen. 

Das hätte ich fast vergessen. Heute habe ich Hopfenblüten gesammelt. Das war was! Herr Hopfen hat sich nämlich einen sehr exquisiten Platz zum hochranken ausgesucht: einen Zwetschgenbaum. Jaja, das war ein ordentliches Gebrumm und Gesumm, als ich versuchte, die Ranken zu entwirren. Aber am Ende hab ich es geschafft, der Baum ist noch ganz, die Bienen und Wespen haben alle noch ihren Stachel und auch die Fliegen können sich wieder genüsslich den süßen, halbfaulen Zwetschgengenuss hingeben. 

Der gute Herr Hopfen ist ja eine wahre Kostbarkeit. Er verhilft uns zu einem wunderbaren, tiefen und erholsamen Schlaf. Er ist nämlich wirklich schlaffördernd – nicht so wie der Herr Baldrian, der beruhigt nur. Er gehört in jeden Abstilltee, wirkt krampflösend und krebshemmend.

Ausserdem ist er bei den Männern triebdämpfend, für uns Frauen ist er eher anregend. Man darf sich also nicht wundern, wenn Männer nach jahrelangem Bierkonsum einen Bierbauch und „Brüste“ bekommen und nicht mehr so recht „wollen“. Sie sind sozusagen „östrogenisiert“, dann hilft vielleicht noch Bergbohnenkraut 😉

Es machen ja Geschichten aus den traditionellen Hopfenanbaugegenden die Runde. Zur Erntezeit kamen viele Wanderarbeiter und nach getaner Hopfenblütenernte schliefen die Männer fast sofort ein und die Weiberleut ließen es noch anständig krachen. Ja und es kommt auch nicht von ungefähr, dass das reinheitsgebotene Bierbrauen anfänglich das Vorrecht der Klöster war. Bevor dieses Reinheitsgebot erlassen wurde, braute jede anständige Hausfrau ihr Bier selbst. Mit allerlei Kräutern, so beeinflusste sie die Stimmung und die Gesundheit der Sippe. War hartes Arbeiten angesagt, mischte sie kräftigende Kräuter ins Bier. Stand ein Fest oder ein besonderer Anlass vor der Tür, so mischte sie eben andere Kräuter hinein. Jede Hausmutter verstand etwas vom Bierbrauen und den verwendeten Kräutern, so war von Frau Gundelrebe über die Dame Mädesüß bis hin zur Frau Bilsenkraut fast alles vertreten. Das war der kirchlichen Obrigkeit natürlich ein Dorn im Auge und so kam das Reinheitsgebot: nur noch Hopfen, Gerste und Wasser und sonst durfte nichts in das Gebräu. Das war ein furchtbarer Eingriff in das Privatleben der Menschen. Das Bier von damals darf man sich nicht so vorstellen, wie unsere heutigen „Biere“. Der Alkoholgehalt war viel niedriger und es war das Alltagsgetränk. Sogar Kinder tranken – stark verdünnt – Bier oder auch Wein. Der Kräutertee kam erst zu Zeiten von Paracelsus auf, vorher kochte man die Kräuter in Wein oder trank eben Kräuterbier. Ganz besondere Biere braute man zu den Jahreskreisfesten – es gab sogar Ritualbiere!

Was sich sonst noch tut 

Letzten Samstag war ich bei einer großartigen Veranstaltung dabei. Sie hieß „Spielleit&Pumpersudl – Mythos Serles“ und fand unterhalb der Serles in Mieders im Stubaital statt. Ich durfte dort mit den Kindern Kräutersackerl machen – das war ein Spaß. Die mitgebrachten Kräuter dufteten herrlich und die Kinder haben fast alle am Geruch und am Aussehen erkannt – und das im getrockneten Zustand! Ich war ehrlich begeistert – der Kräuternachwuchs gedeiht 😉 Im nächsten Jahr darf ich wieder dabei sein und ich würde mich freuen, wenn ich euch dort sehen würde! Ich halte euch jedenfalls auf dem Laufenden.

Jetzt wird es zwei Wochen etwas ruhiger und dann starte ich in den Herbst durch. Ab Mitte September bis Ende November gibts ordentlich was zu tun – es macht halt so viel Spaß, den Menschen die Heilkräfte der Kräuter näher zu bringen. So darf ich mein Wissen ab September wieder an der Erwachsenenschule Mutters und neu auch an der Erwachsenenschule Mieders-Schönberg unter´s Volk bringen. Ganz besonders freue ich mich über mein neues Projekt: eine Grundausbildung zur Kräuterfrau/zum Kräutermann an der Volkshochschule in Wattens! Das wird eine schöne Herausforderung.

Die herbstliche Ruhe-Zeit fängt dann im November an. Es soll im Herbst ja auch gefeiert werden, Geselligkeit und Tanz sind typisch für diese Jahreszeit. Die Ernte und der Abschluss eines arbeitsreichen und mühsamen Bauernjahres darf gefeiert werden. Dankbar, dass die Tiere und Menschen alle gesund wieder von der Alm kommen, gibt es Kirchtage und Erntedankfeste Landauf und Landab! Wie schön. Nach dem ganzen Festreigen tut einem die November-Ruhe schon ganz gut – doch dazu mehr in einem meiner nächsten Blogs. 

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