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Tag Archives: Ruhe

Mabon – der Wendepunkt im Herbst
21 Sep

Jetzt fängt der Herbst an. Mir kommt vor, als ob Mutter Natur dieses Jahr gleich nahtlos vom Sommer in den Winter übergeht. Wenn ich hinausschaue, dann sieht es aus wie im November. Nebelig, regnerisch und kalt ist es auch noch – lediglich die Wiesen sind noch grün. Wir haben also doch erst September. Es scheint zu stimmen:

„Wie das Wetter an Ägidius (1. September), so es vier Wochen bleiben muss.“

Der Altweibersommer muss offenbar bis Oktober warten – auch gut, so haben wir´s zum Wurzelgraben fein!

Der offizielle Herbstbeginn also – je nach Stand der Erde zur Sonne – zwischen dem 21. und dem 23. September. Auch wenn es sich nicht so anfühlt, der Tag ist nun gleich lang wie die Nacht (Äquinoctium = äqui (lat. gleich) noctum (lat. Nacht). Aber nur an diesem Tag, denn ab nun werden die Nächte wieder merklich länger als die Tage. Die dunkle Zeit beginnt, wie schön! Nach dem regen Treiben im Frühling und im Sommer, sehnt sich die Seele nach Erholung. Wir sollten ihr das gönnen und lange Spaziergänge machen, am Abend gemütlich beisammen sitzen bei einem Glas Wein und ein paar schönen Geschichten. Das tut uns gut!

Was sich im Garten so tut

Im Garten habe ich die letzten Blüten für den Kurs gestern Abend gepflückt. Viele sind es nicht mehr gewesen, ausserdem waren sie ziemlich nass. Aber für die geplante Verwendung war das in Ordnung. In den nächsten Tagen werde ich noch die riesigen Blätter von Herrn Alant zurückschneiden und auch für die anderen Stauden ist es an der Zeit. Aber wie ich gerade ein paar fürwitzige Borretschblüten pflücken will, summen doch glatt noch ein paar übereifrige Bienen darauf herum. Dann tut´s mir doch wieder leid, ihnen diese Mahlzeit weg zu nehmen. Ein Dilemma…sollten die nicht langsam schlafen gehen? Jedenfalls werde ich in den nächsten paar Monaten nicht mehr viel Neues aus meinem Garten berichten können. Er begibt sich auf den Weg zur Ruhe. Nach der letzten Ernte werden alle Gartengeräte gereinigt und in den Schuppen geräumt – bis zum nächsten Frühjahr. Es ist Zeit zum Feiern!

Michaeli, Erntedank, Törggelen

Die Tag-und-Nacht-Gleiche kann auf besondere Art und Weise gefeiert werden. Er ist der Beginn eines bunten Reigens von Festen wie Kirchtage und Märkte. Ursprünglich war es auch ein Opfer- und Schlachtfest, an welchem das Licht der Dunkelheit übergeben wurde. Das Jahr – nun zur reifen Frau geworden, wandelt sich erneut hin zur alten Weisen. Sie erntet und tötet mit stoischer Gelassenheit, mit dem Wissen, dass das neue Leben wieder kommen wird und dass es ohne Sterben kein neues Leben geben würde. Auch unsere Ahnen wussten das und so feierten sie und waren dankbar für diesen Kreislauf.
Wir feiern auch! Mein Sohn fragt schon seit 2 Wochen, wann denn endlich Michaeli-Markt ist. Das ist immer ein Fixpunkt, da kommt fast das ganze Dorf zusammen. Besonders die Kinder, weil es da immer Zuckerwatte und Spielzeug gibt. Früher hat man zu St. Michael auch den Dienstgeber gewechselt – genau so wie zu Lichtmess. Es war Zahl- und Zinstag und immer schon hat sich die Bevölkerung zu Tanz und Belustigung an diesem Tag getroffen. Ab diesem Zeitpunkt hat auch niemand mehr etwas auf der Alm verloren – ab Ende September gehört die Alm wieder dem Kasermandl.
Erntedank wird auch bei uns mit Kornkrone und oft auch noch mit einem letzten Umgang oder auch Prozession (früher um die Felder, heute durch das Dorf) gefeiert.
Und am Abend sitzt man mit der Familie und Freunden beim sogenannten „Törggelen“ zusammen und isst traditionell Weinnudeln und Kastanien, lacht, scherzt und erzählt sich die abenteuerlichsten Schauergeschichten, die wundersamsten Begebenheiten, überlieferte Schwänke und manchmal ist auch ein Märchen oder eine Sage dabei.

 

Was gibt´s sonst noch?

Letzten Samstag fand bei uns – bei strömenden Regen – der Almatrieb statt. Trotz des Wetters spürte man, wie froh die Tiere waren, wieder im Tal zu sein und wieder in den warmen Stall zu kommen. Kein Wunder – hat es doch weit herunter geschneit. Aber es war ein guter Sommer und alle Tiere waren schön geschmückt, am schönsten natürlich die Leit- oder Kranzkuh.

Gestern fing  der Ausbildungslehrgang an der Volkshochschule an. Es ist eine feine Runde und ich freue mich auf die noch verbleibenden 9 Wochen. Es gibt viel zu lernen und zu sehen, wie die Menschen wieder mehr über das alte Wissen und die überlieferten Methoden erfahren möchten, erfreut mein Herz. Es macht mich glücklich, dass gerade ich ihnen das vermitteln darf.

Neulich habe ich Holunderbeeren mit dem Dampfentsafter entsaftet und ganze 9 Liter (!) gewonnen. Es war eine Heidenarbeit die Beeren von den Stielen zu zupfen, aber es macht auch Spaß und nun habe ich eine Riesenfreude, weil es am Ende so viel Saft abgegeben hat. Aus einen Teil habe ich Sirup gemacht und aus einem kleineren Teil einen köstlichen Likör. Beide schmecken himmlisch und sind richtig gesund.

Vor ein paar Tagen habe ich auch Vogelbeeren gesammelt. NEIN, sie sind nicht giftig! Im Gegenteil: sie haben 6x mehr Vitamin C als Zitronen und heißen mancherorts auch „Zitronen des Nordens“. Dass man als Kind schon eingebleut bekommt, dass die Vogelbeeren giftig seien kommt daher, dass man Durchfall bekommen kann, wenn man zuviel von ihnen isst. Aber das ist im rohen Zustand kaum möglich, da sie so dermaßen bitter und sauer schmecken, dass man höchstens 3-4 essen kann. Ich mache aus dem gesunden Wildobst immer ein Gelee.

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Es geht so schnell…
29 Aug

Übermorgen ist September, gerade noch habe ich mich über den Besuch von Frau Gundelrebe gefreut und jetzt kann ich schon bald die Mohnkapseln ernten. Erstaunlich. Im Sein vergeht die Zeit nicht so schnell, wie in der Rückschau. Endlos schienen die Tage im Juni, das Genießen der warmen Abende am offenen Feuer im Garten. Der köstliche Duft, der vom Holunder herüber wehte und um die Sonnwendzeit fanden sich so viele freundliche und fröhliche Naturwesen ein in meinem Garten. Sie sind schon noch da, aber eine leise Ahnung vom Abschied liegt in der Luft und die Zeit vergeht.

Vor ein paar Tagen rief mich eine Dame vom Tourismusverband an. Sie sei bei der Vorbereitung des Veranstaltungskalenders für nächstes Jahr und ich möge ihr doch bitte meine Termine bekannt geben. Du meine Güte! Im Grunde freue ich mich ja, dass an mich gedacht wird. Aber es ist AUGUST! Mit dem nächsten Jahr habe ich mich noch überhaupt nicht beschäftigt. Oft denke ich mir, wir sind es selbst, die die Zeit so schnell vergehen lassen, wieso muss man im August schon wissen, was man im März des nächsten Jahres macht? Ich habe ein paar Termine zusammengesucht und durch gegeben. Heute denke ich mir, ob das wirklich nötig ist und verspreche mir, mich im nächsten Jahr nicht mehr vor dieses Joch spannen zu lassen. Alles hat seine Zeit und alles ist für etwas gut – ich habe gelernt und bin dankbar für diese Lektion. 

Was sich im Garten so tut

Im Garten gibt es wenig neues. Die Tomaten reifen nach und nach, ich habe gemerkt, dass ich schnell sein muss – es gibt offenbar einige Mitesser. Schnecken sind es eher nicht, da habe ich zwar gestern Nr. 8 in diesem Sommer den Damen Hennen übergeben, aber die Menge ist dermaßen überschaubar, dass es andere Übeltäter sein müssen. Jedenfalls schmecken die Tomaten einfach umwerfend! Ich werde mir glatt ein paar Samen für nächstes Jahr auf die Seite tun. Die Kohlrabi haben wir gestern auch heraus geholt und bei den Rohnen (Rote Beete) wird es nicht mehr lange dauern – sie dümpeln so richtig gemütlich vor sich hin, vom Wachsen halten sie offenbar nicht mehr wirklich viel. Das ist einfach so, es ist halt nicht mehr die Zeit zum Wachsen. Es ist die Zeit der Ernte und der Dankbarkeit. Die Herrschaften Zwiebel werde ich auch diese Woche heraus nehmen, zu Zöpfen flechten und zum Trocknen aufhängen, eine Kostprobe versprach herrliche Geschmackserlebnisse! Zumindest für eine Zwiebel. Bei den Kräutern geht die Ernte auch weiter – die Ringelblume im 2tages Rhythmus, ein paar Johanniskrautblüten gehen auch noch. Thymian, Majoran, Zitronenmelisse und auch Minze geht bald wieder. Ansonsten habe ich meine Gartenkräuterernte für dieses Jahr mehr oder weniger abgeschlossen. Einige Wurzeln und Rinden im Oktober und dann lasse ich – was das Kräuterernten angeht – Ruhe einkehren.

Nächstes Jahr kommt wieder die Königskerze! Achja, Herr Hopfen…

Ich habe ihre kleinen Rosetten entdeckt – zwar an einem denkbar ungünstigen Standort (zwischen den Steinstufen der Treppe) – aber ich bin so dankbar und froh, dass es ihr bei mir gefällt. Letztes Jahr war sie da und hat ordentlich für Nachwuchs gesorgt. Frau Königskerze ist zweijährig sie setzt im ersten Jahr die Blattrosette an und im nächsten Jahr wächst daraus eine sehr majestätische Erscheinung. Ihre Blüten sind wunderbar bei Husten – allerdings sollte man den Blütentee gut abseihen, weil sonst die feinen Härchen im Hals kratzen. 

Das hätte ich fast vergessen. Heute habe ich Hopfenblüten gesammelt. Das war was! Herr Hopfen hat sich nämlich einen sehr exquisiten Platz zum hochranken ausgesucht: einen Zwetschgenbaum. Jaja, das war ein ordentliches Gebrumm und Gesumm, als ich versuchte, die Ranken zu entwirren. Aber am Ende hab ich es geschafft, der Baum ist noch ganz, die Bienen und Wespen haben alle noch ihren Stachel und auch die Fliegen können sich wieder genüsslich den süßen, halbfaulen Zwetschgengenuss hingeben. 

Der gute Herr Hopfen ist ja eine wahre Kostbarkeit. Er verhilft uns zu einem wunderbaren, tiefen und erholsamen Schlaf. Er ist nämlich wirklich schlaffördernd – nicht so wie der Herr Baldrian, der beruhigt nur. Er gehört in jeden Abstilltee, wirkt krampflösend und krebshemmend.

Ausserdem ist er bei den Männern triebdämpfend, für uns Frauen ist er eher anregend. Man darf sich also nicht wundern, wenn Männer nach jahrelangem Bierkonsum einen Bierbauch und „Brüste“ bekommen und nicht mehr so recht „wollen“. Sie sind sozusagen „östrogenisiert“, dann hilft vielleicht noch Bergbohnenkraut 😉

Es machen ja Geschichten aus den traditionellen Hopfenanbaugegenden die Runde. Zur Erntezeit kamen viele Wanderarbeiter und nach getaner Hopfenblütenernte schliefen die Männer fast sofort ein und die Weiberleut ließen es noch anständig krachen. Ja und es kommt auch nicht von ungefähr, dass das reinheitsgebotene Bierbrauen anfänglich das Vorrecht der Klöster war. Bevor dieses Reinheitsgebot erlassen wurde, braute jede anständige Hausfrau ihr Bier selbst. Mit allerlei Kräutern, so beeinflusste sie die Stimmung und die Gesundheit der Sippe. War hartes Arbeiten angesagt, mischte sie kräftigende Kräuter ins Bier. Stand ein Fest oder ein besonderer Anlass vor der Tür, so mischte sie eben andere Kräuter hinein. Jede Hausmutter verstand etwas vom Bierbrauen und den verwendeten Kräutern, so war von Frau Gundelrebe über die Dame Mädesüß bis hin zur Frau Bilsenkraut fast alles vertreten. Das war der kirchlichen Obrigkeit natürlich ein Dorn im Auge und so kam das Reinheitsgebot: nur noch Hopfen, Gerste und Wasser und sonst durfte nichts in das Gebräu. Das war ein furchtbarer Eingriff in das Privatleben der Menschen. Das Bier von damals darf man sich nicht so vorstellen, wie unsere heutigen „Biere“. Der Alkoholgehalt war viel niedriger und es war das Alltagsgetränk. Sogar Kinder tranken – stark verdünnt – Bier oder auch Wein. Der Kräutertee kam erst zu Zeiten von Paracelsus auf, vorher kochte man die Kräuter in Wein oder trank eben Kräuterbier. Ganz besondere Biere braute man zu den Jahreskreisfesten – es gab sogar Ritualbiere!

Was sich sonst noch tut 

Letzten Samstag war ich bei einer großartigen Veranstaltung dabei. Sie hieß „Spielleit&Pumpersudl – Mythos Serles“ und fand unterhalb der Serles in Mieders im Stubaital statt. Ich durfte dort mit den Kindern Kräutersackerl machen – das war ein Spaß. Die mitgebrachten Kräuter dufteten herrlich und die Kinder haben fast alle am Geruch und am Aussehen erkannt – und das im getrockneten Zustand! Ich war ehrlich begeistert – der Kräuternachwuchs gedeiht 😉 Im nächsten Jahr darf ich wieder dabei sein und ich würde mich freuen, wenn ich euch dort sehen würde! Ich halte euch jedenfalls auf dem Laufenden.

Jetzt wird es zwei Wochen etwas ruhiger und dann starte ich in den Herbst durch. Ab Mitte September bis Ende November gibts ordentlich was zu tun – es macht halt so viel Spaß, den Menschen die Heilkräfte der Kräuter näher zu bringen. So darf ich mein Wissen ab September wieder an der Erwachsenenschule Mutters und neu auch an der Erwachsenenschule Mieders-Schönberg unter´s Volk bringen. Ganz besonders freue ich mich über mein neues Projekt: eine Grundausbildung zur Kräuterfrau/zum Kräutermann an der Volkshochschule in Wattens! Das wird eine schöne Herausforderung.

Die herbstliche Ruhe-Zeit fängt dann im November an. Es soll im Herbst ja auch gefeiert werden, Geselligkeit und Tanz sind typisch für diese Jahreszeit. Die Ernte und der Abschluss eines arbeitsreichen und mühsamen Bauernjahres darf gefeiert werden. Dankbar, dass die Tiere und Menschen alle gesund wieder von der Alm kommen, gibt es Kirchtage und Erntedankfeste Landauf und Landab! Wie schön. Nach dem ganzen Festreigen tut einem die November-Ruhe schon ganz gut – doch dazu mehr in einem meiner nächsten Blogs. 

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