• Sonja Tanzer

Wie mische ich meinen Kräuter-Heiltee selbst? Ein Leitfaden

Aktualisiert: 29. Sept.

Der Tee ist sicherlich einer der traditionellsten Zubereitungen für Heilkräuter – und zugleich eines der modernsten. Wer kennt das nicht? Wenn du als Kind Bauchweh hattest - zack stand Oma oder Mama mit einer Tasse Kamillentee parat. Plagte dich eine Erkältung - zack stand wieder jemand mit einem Schälchen Holunderblütentee zur Stelle. Und heute? Ja heute machst du es vermutlich genau so bei deinen Kindern - weil du es von Mama oder Oma gelernt hast, und die haben es wiederum von ihren Müttern und Großmüttern gelernt. Ist doch schön, oder?


Dabei ist erwiesen, dass nicht nur die Inhaltsstoffe der Kräuter Heilung und Linderung bringen, sondern auch die Aufmerksamkeit, die Zuwendung und das Ritual (3x täglich zu bestimmten Zeiten) eine große Rolle spielen. Wenn mein Sohn der Meinung ist, er bekommt zu wenig Aufmerksamkeit, dann tut ihm irgendetwas weh. Darauf reagiere ich natürlich. Entweder ich puste über die "verletzte" Stelle und gebe ein Bussi drauf oder er bekommt eine Wärmflasche oder sonst eine Aufmerksamkeit, immer jedoch wird er in den Arm genommen und bekommt Trost – das ist unser Ritual.


Wenn er einmal tatsächlich krank ist, dann ist meine erste Wahl immer ein Tee (ja gut, wenn´s pressiert, dann auch mein selbst angesetzter Schwedenbitter). Ein Tee ist das "gelindeste Mittel" und dabei hochwirksam - wenn man versteht, wie ein Tee als Heilmittel zusammengestellt wird. Tee kann selbstverständlich auch als Genussmittel zusammengestellt und zubereitet werden – hier braucht man auch keine besonderen Kenntnisse oder spezielle Vorgehensweisen einzuhalten. Anders verhält es sich eben bei einem Tee, der Medizin sein soll. Etwas haben beide aber gemeinsam: kenne die Pflanzen, die du verwendest, zu 100 % und verwende niemals Giftpflanzen.


Heiltee wird hauptsächlich für Beschwerden im Magen-Darmbereich, bei Gallenwegserkrankungen, psychischen Störungen, Husten und Erkältungskrankheiten oder bei Nieren- und Blasenleiden eingesetzt. Manchmal findet er auch äußerlich als Auflage oder Kompresse Verwendung – denke an den Augentrost bei Augenreizungen.



(C) Pexels lilartsy

Andere Zeiten und andere Gegenden


Im Mittelalter war die Teezubereitung eine alltägliche Routine. Das Wasser aus den Brunnen war besonders in den Städten oft verschmutzt und konnte ohne Abkochung nicht gefahrlos getrunken werden. Also trank man meist von der Hausfrau selbst gebrautes Schwachbier oder eben abgekochtes Wasser in Form von Tee. Die Alchemisten (Gelehrte der Zauber- und Heilkunst) haben aus der Zusammensetzung der Teekräuter dann eine ziemliche Wissenschaft gemacht, die bis heute teilweise noch nachwirkt. Vieles ist natürlich über die Jahrhunderte in Vergessenheit geraten. Aber einiges - wenig Wissen der einfachen Bevölkerung und Kräuterfrauen, mehr Wissen der Gelehrten und Klöster - wurde überliefert.


In China haben Kräutertees eine sehr lange Tradition. Seit über 2500 Jahren wurde die genaue Abstimmung der Kräuter entwickelt und verfeinert. Westliche Heilpraktiker und Mediziner schätzen diesen reichen Erfahrungsschatz und versuchen, unsere Tradition mit der chinesischen zu verbinden. Ich halte das nicht für notwendig – beide haben ihre Daseinsberechtigung. Unsere Heilmethoden haben sich über Jahrtausende entwickelt und sind bestens auf unseren Organismus abgestimmt. Aber da mag sich jeder selbst ein Urteil bilden.


Jedenfalls gibt es für jede Zusammenstellung Kräuter, die sozusagen die Richtung weisen, also die Wirksamkeit bestimmen. In China wären das die Kaiserkräuter mit der entscheidenden Heilqualität, die Ministerkräuter, welche die Kaiserkräuter unterstützen und in ihren Aufgaben begleiten. Dann gäbe es noch die Offizierskräuter welche den unerwünschten Wirkungen der beiden ersten Kräuter entgegenwirken und die Botschaftskräuter die die Richtung betonen, einen Organbezug haben oder sich neutral verhalten.


Für die Menschen, die nicht mit der chinesischen Heiltradition vertraut sind, klingt das ziemlich verwirrend. Da es den Rahmen dieses Blogartikels sprengen würde, werde ich dieses durchaus spannende Thema auch nicht weiter verfolgen, denn selbst das oben erwähnte kratzt nur an der Oberfläche.


Wie werden Heiltees bei uns entwickelt?


Die westliche Tradition kennt eine ähnliche Einteilung von Haupt- oder Leitkräutern (Remedium Cardinale) – sie sollen, wie der Name sagt, die Hauptrolle spielen. Die unterstützenden Begleitkräuter (Remedium Adjuvans) und Ergänzungs- oder Hilfsmittel (Korrigens) bringen eine Begleitmaßnahme oder eine Ergänzung mit. Hilfsdrogen und Füllmittel (Konstituens) bringen Geschmack und Farbe mit ins Spiel außerdem verhindern sie das Absinken der kleinen Teilchen auf den Tassenboden. Deshalb sind Füllmittel meist etwas „wollig“.


Die gesamte Mischung soll aus Kräutern bestehen, die einen ähnlichen Wirkungskreis haben. Manche Gelehrte dosieren die Kräuter nach ihrer Wichtigkeit, manche Kundige mischen zu gleichen Teilen und manche komponieren nach Gefühl oder Überlieferung – immer gilt: Wer heilt, hat recht.


Damit auch du wirksame und gut schmeckende Tees zubereiten kannst, schenke ich dir nun den folgenden Leitfaden "Wie mische ich meinen Kräutertee selbst".

(C) pixabay

Wie gehst du beim Zusammenstellen deines Kräutertees vor?


Zuerst einmal ist zu entscheiden, ob du die Kräuter selbst sammelst oder ob du sie dir im Reformhaus oder in der Apotheke besorgst. Wie du die Kraft der Kräuter am besten einfängst, erfährst du in diesem Leitfaden "Kräuter richtig Sammeln" als gratis download von mir.


Dem ersteren ist klar der Vorzug zu geben, unter Umständen ist das selbst Sammeln aber nicht möglich. Es kann sein, dass du die Pflanzen schlichtweg nicht kennst, dass sie in deiner Umgebung nicht wachsen, dass es die Jahreszeit nicht zu lässt oder du hast die Kräuter nicht vorrätig und so weiter.


Sammelst du die Kräuter selbst, so müssen die allgemeinen Sammelregeln eingehalten werden. Als Newsletter-Abonnent erhältst du sie im nächsten Kräuterbrief.


Darüber hinaus ist es von Vorteil, wenn du dich zumindest ein bisschen in der Pflanzenkunde auskennst. Aber das ist kein Muss, da kannst du dich einarbeiten - oder du fragst einfach mich ;-)


Musst du die Kräuter kaufen, dann achte unbedingt auf Bio-Qualität. Die Apotheken bieten diese in den aller seltensten Fällen. Deshalb sind das Reformhaus, eine Kräuterkundige oder das Internet gute Alternativen.

So, aber nun zur Sache


Zuerst überlegst du dir, wofür du den Tee brauchst. Sagen wir, du hast hartnäckigen Husten, der einfach nicht verschwinden will. Als zweites überlegst du dir, welche Kräuter helfen allgemein gegen Husten oder bei Lungenbeschwerden?


Machen wir ein kurzes Brainstorming: Thymian, Quendel, Königskerze, Spitzwegerich, Efeu, Malve, Eibisch, Lungenkraut, Huflattich, Nadelgehölze, Himmelschlüssel, Veilchen und so fort. Da ist dir ja schon mal eine ganze Menge eingefallen, Holla die Waldfee!


So, jetzt schaust du in deinem Kräuterschrank nach, was du vorrätig hast. Sagen wir, du hast aus Erfahrung damit gerechnet, dass du im Winter diesen blöden Husten wieder bekommst. Deshalb findest du Thymian, Königskerzenblüten, Lungenkraut, Eibischwurzeln und Fichtennadeln. Da hast du eine tolle Grundlage für eine wirkungsvolle Mischung.


Ich würde sie wie folgt zusammenstellen:

1 Teil Thymian

1 Teil Fichtennadeln

½ Teil Lungenkraut

½ Teil Eibischwurzeln

1/8 Teil Königskerzenblüten


In dem Fall sind Thymian und Fichtennadeln die Leitkräuter mit den Hauptwirkstoffen. Lungenkraut unterstützt die Wirkung und Eibischwurzeln ergänzen mit ihren Schleimstoffen. Königskerze hat ebenfalls Wirkung auf die Lunge und gibt farbige Akzente – das Auge ist wie immer auch dabei. Geschmackskräuter braucht man hier nicht, da der Thymian und die Fichtennadeln sich wunderbar ergänzen und einen gut schmeckenden Tee ergeben.


ACHTUNG: Schleimstoffdrogen – in dem Beispiel ist es im Besonderen die Eibischwurzel – sind extrem hitzeempfindlich. Sie werden bei Temperaturen über 30 Grad zerstört und sind praktisch unwirksam.


Nun haben wir den Salat. Wenn du dir schon die Mühe machst, dir eine ausgeklügelte und hochwirksame Teekomposition zusammen zu stellen, dann möchtest du doch bestimmt, dass alle Wirkstoffe optimal genutzt werden, oder?



Unterschiedliche Inhaltsstoffe erfordern unterschiedliche Methoden der Zubereitung


Aber es gibt eine Lösung: Schleimstoffdrogen erfordern eine besondere Zubereitungsmethode nämlich den

- Kaltansatz. Die zerkleinerten Pflanzenteile werden in kaltem Wasser angesetzt und mindestens 8 Stunden lang stehen gelassen. Anschließend werden (in unserem Rezept) die Wurzeln abgeseiht, der Auszug kann nun bis maximal Körpertemperatur erwärmt werden.


Für deinen Tee bedeutet das, alle Bestandteile außer die Eibischwurzel werden als Aufguss zu bereitet. Der zuvor angesetzte Wurzel-Auszug wird zu gegeben, nachdem der Aufguss abgekühlt ist.


- Aufguss ist die Methode, die am häufigsten angewendet wird und eignet sich für Kraut-, Blüten- und Blattdrogen, ebenso wie – bedingt – für zerkleinerte Rinden- und Wurzeldrogen. Man gibt die Einzeldrogen oder die Mischung in eine Tasse und gießt mit kochendem Wasser, das vorher 1-2 Minuten abgekühlt wurde, auf. Man deckt die Tasse zu und lässt das Ganze zwischen 3 und 10 Minuten ziehen. Die Dauer ergibt sich aus den Inhaltsstoffen, die ich brauche.


Der Dritte im Bunde der gängigsten Zubereitungsmethoden ist das

- Dekokt – also die Abkochung. Hier wird das Pflanzengut kalt angesetzt und zum Kochen gebracht. Nicht länger als maximal 5 Minuten köcheln lassen und dann sofort abseihen. Diese Art wird bei festen, harten Bestandteilen wie Wurzeln, Rinden, Hölzern oder harten Früchten angewendet. Leicht flüchtige Wirkstoffe können dabei verloren gehen.


Die unterschiedlichen Zubereitungsarten lassen die Heilteeherstellung kompliziert erscheinen. Das ist es aber nicht, wenn man methodisch vor geht. Jene Pflanzenteile, die eine separate Auszugsart erfordern, werden wie oben beschrieben behandelt. Anschließend werden die Tees gemischt und haben ihre optimale Wirkkraft.


Bei fertigen Mischungen ist eine Trennung natürlich nicht mehr möglich, weshalb die ein oder andere Droge ihre volle Heilkraft nicht entfalten kann. Ich empfehle deshalb, die Kräuter stets separat aufzubewahren und erst im Bedarfsfall entsprechend zusammen zu setzen.


Man liest oft, ein Heiltee sollte nicht mehr als 5-7 verschiedene Zutaten haben, da sonst zu wenig Wirkstoffe der einzelnen Bestandteile zur enthalten sind. Das mag grundsätzlich stimmen, aber ich finde, dass die Komposition in ihrer Ganzheit die Wirkung bringt und nicht die einzelnen Komponenten. Natürlich kann ich auch 15 verschiedene Pflanzen mischen, die Fragen sind aber, wie sinnvoll das ist und ob ich überhaupt so viele vorrätig habe. Mit einem Tee der nur 1 oder 2 Zutaten hat, kann man hingegen ebenso gute Erfolge erzielen.


Weiters wird oft diskutiert, ob ein „Einzeltee“ also ein Tee aus einer einzigen Pflanze besser sei, als eine Mischung. Es hat beides Vorteile. Habe ich keine anderen Bestandteile zur Hand, hat man sowieso keine Wahl und das eine Kraut wird ebenso seine Wirkung haben. Bei zum Beispiel fünf Kräutern ist das Spektrum entsprechend größer und die Chance, genau das „richtige“ Kraut mit den „richtigen“ Inhaltsstoffen dabei zu haben wächst. Einzeltees erzielen aber ebenso eine gute Wirkung.


Für „unseren Familienhusten“ zum Beispiel verwenden wir immer Thymiantee mit wenig Honig. Uns hilft er und außerdem schmeckt er richtig lecker.



(C) pexels mahshima sojoudi

Zu beachten:


- für eine Tasse Tee nimmst du so viel Kräuter wie du zwischen 3 Fingern (Daumen, Zeige- und Mittelfinger) fassen kannst

- traditionell wird Medizin - also auch ein Heiltee - zu den drei "Heiligen Zeiten" - am Morgen, zu Mittag und am Abend eingenommen

- eine Teekur sollte nur in ganz besonderen Ausnahmefällen länger als 4 Wochen dauern. Danach muss eine Pause von der selben Dauer eingelegt oder die Zusammensetzung geändert werden.

- tritt nicht spätestens am 3. Tag eine bemerkenswerte Besserung ein, muss ärtztliche Hilfe in Anspruch genommen werden

- bei massiver Verschlechterung des Zustandes ist die Behandlung sofort ab zu setzen

- für Heiltees können sowohl getrocknete als auch frische Kräuter verwendet werden. Bei der Dosierung verwendet man bei frischen Kräutern das Doppelte von den getrockneten.

- getrocknete Kräuter behalten ihre Heilkraft etwa ein Jahr, danach werden die Inhaltsstoffe rapide abgebaut. Man kann sie aber immer noch für Badezusätze oder für Kräuterkissen verwenden.


Ich wünsche dir nun viel Spaß beim Austüfteln von wirkungsvollen Rezepten. Wenn du immer auf dem Laufenden bleiben willst und regelmäßig hilfreiche Tipps oder Rezepte erhalten möchtest, melde dich einfach für meinen Newsletter an!







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