• Sonja Tanzer

Advent, Advent - oh und die erste Losnacht steht an!

Jetzt wird es so richtig kuschelig! Die Tage bis zur Mutternacht werden gezählt und für manche ist jetzt schon die Zeit der Zukunftsschau und der Rauhnächte gekommen. Ich führe dich durch die Andreasnacht und sage dir, weshalb der Adventkranz doch nicht so alt, oder vielleicht viel älter ist, als manche meinen.


Inhaltsverzeichnis

01 Andreasnacht am 30. November

02 Der Advent - eine besondere Zeit

03 Barbarazweige - die Hoffnung auf das Licht

04 Die Percht, Frau Holle - die große Göttin und ihre Facetten

05 Die Perchten-Energie in dieser Jahreszeit

06 Der Adventkranz - Sinnbild des ewigen Lebens?




Andreasnacht am 30. November


Die Andreasnacht ist eine „Lösselnacht“ (lösseln – die Zukunft erforschen, Lose ziehen, sein Los erkunden).


Manche bezeichnen die Andreasnacht als erste Rauhnacht. Es wurde geräuchert und die Kundigen ließen ihren Geist mit dem Rauch aufsteigen. In der Anderswelt erhofften sie eine Zukunftsschau, erbaten den Rat und den Segen der Ahnen.


Da bereits zu dieser Zeit die Percht mit der Wilden Jagd unterwegs war (dazu mehr weiter unten), hat man zum Schutz vor Zauberei, den Holden und Krankheiten, Andreaszweige in der bekannten (Andreas-)Kreuzform an der Haustür angebracht.



Kreis und Immergrüne - Symbole des Lebens


Der Advent - eine besondere Zeit


Rund um die Andreasnacht beginnt die Vorweihnachtszeit – ursprünglich eine Zeit der Ruhe, der Erholung und Einkehr. Am Anfang der Inneschau steht der Rückblick über das vergangene Jahr und das Loslassen von dem was man nicht ins neue Jahr mitnehmen will. Oft fastete man um den alten Verhaltensweisen die Nahrung zu entziehen. Christliche Kirchen hatten in früheren Zeiten ja mehrere strenge Fastenzeiten. Heut ist davon nur noch das Fasten vor Ostern geblieben. In meiner Kindheit erzählte mir meine Oma aber davon, dass sie als Kind auch vor Weihnachten, in der Adventzeit fasten mussten.

Es ist die Zeit des Geschichtenerzählens, des Musizierens, der Vorfreude und der Verheißung. So stärkte man das eigene „innere Licht“ das sich aus der Stille nährt.




Barbarazweige - die Hoffnung auf das Licht


Als Schutzherrin der Bergleute hat die Heilige Barbara im Brauchtum überlebt. Sie ist die alte Borbeth, der dunkle Aspekt der großen Mutter Erde und somit für die Unterwelt zuständig.

Ein sehr beliebtes Orakel stellen die „Barbarazweige“ dar, die man auch heute noch am 4. Dezember vor Sonnenaufgang schneidet und in einem warmen Raum ins Wasser stellt. Dabei werden traditionell Kirschzweige geschnitten. Aber auch Apfel-, Birnen- oder Marillenzweige tun ihren Dienst.


Blühen die Zweiglein um Weihnachten, so ist dies ein gutes Zeichen – entweder es gibt eine Hochzeit oder eine Geburt im Haus, ein Wunsch geht in Erfüllung oder es gibt eine reiche Ernte im nächsten Jahr. Der Barbaratag ist somit ein weiterer Lostag in der Vorweihnachtszeit.




Die Percht, Frau Holle - die große Göttin und ihre Facetten


Das Wort Percht leitet sich von peraht (althochdeutsch: strahlend, hell, glänzend) ab.

Die verschiedenen Perchten verkörpern die Grundprinzipien der Naturmächte: Fruchtbarkeit, Segen und Wohlwollen in den Schönperchten, die oft in der Landestracht oder hellen Gewändern erscheinen und meist prächtige Masken tragen. In den Schiachperchten, die häufig Elemente von Bär, Eber und Bock aufweisen, sind Zeugungskraft und Wildheit verkörpert, aber auch Übel, Tod und Zerstörung beziehungsweise die Abwehr dagegen. Sie alle gehören einem Geistervolk an, das unter der Führung der Frau Perchta/Berchta steht.


Ursprünglich ist sie eine lichte, strahlende Gestalt, die Segen ins Haus trägt, Gutes belohnt und Gaben bringt, während sie Übles ahndet. Viele Sagen berichten von ihr und ihrem Geisterheer. Diesem Heer gehören die Unterirdischen und Elbischen an, die manchmal auch das selige Volk genannt werden. Erst als das alte Wissen um diese Gestalten verloren ging, hieß es, in ihrem Gefolge zögen in den Winterstürmen die ungetauften Kinder und unerlösten Seelen greinend und jammernd übers Land. Aus dem seligen Volk hatte man ein furchterregendes, dämonisches Totenheer gemacht während der segensbringende Aspekt fast vergessen wurde.

Die dritte und dunkle Seite der großen Göttin und Allmutter tritt uns unter vielen Namen entgegen, aber immer ist sie diejenige, die sich wohlwollend unserer Seelen annimmt und die Samen hütet, in ihrem Reich geht es uns gut. Hier dürfen wir ausruhen und uns auf das nächste Leben, oder den nächsten Schwung des Jahresrades vorbereiten. In ihrem Teich schwimmen die ungeborenen Seelen und warten auf den Augenblick der Wiedergeburt. Das Bild der umsorgenden, liebenden, nährenden, schützenden, aber auch mahnenden, strengen Großmutter die auch unliebsame Handlungen mit stoischer Gelassenheit übernimmt, erscheint mir in diesem Zusammenhang.


In den Alpenländern bis nach Mitteldeutschland wurde die Große Muttergöttin in ihrem dreifachen Erscheinungsbild noch bis in das letzte Jahrhundert hinein verehrt. In den Kirchen gab es drei Heilige "Madln" (Mädchen): Catharina, Margarete, Barbara. Unsere Ahnen kannten sie noch als Ambet, Wilbet und Borbet.


Netzfund



Die Perchten-Energie in dieser Jahresszeit


Die Zeit der Percht fängt an, wenn die Ernte eingebracht ist, die Tage kürzer werden. Regen, Wind, Herbststürme und der Geruch nach totem Laub künden von ihrer Herrschaft. In den Nebeln erkennt man Feen, Geisterpferde oder die Schar der Wilden Jagd – all das ist dem Tod näher als dem Leben.


Sie wird uns also noch eine ganze Weile begleiten - Frau Percht oder Frau Holle. Wie auch immer du sie nennen magst und wie es bei dir Tradition ist.


Auch die Walisische Ceridween tritt meist in der Gestalt der Weisen Alten auf. Sie ist die Göttin des Todes und der Wiedergeburt, der Kräuter, der Astrologie, der Magie und der Weisheit.

In ihrem großen Kessel brodelt die Ursuppe und muss dauernd gerührt werden. Während sich die Zutaten durch die Hitze vermischen und verwandeln, entstehen beim Rühren neue Gedanken. Der Kessel symbolisiert den Bauch der Göttin, aus dem alles Leben kommt und in den es auch wieder zurückkehrt. Ein Trank aus diesem Kessel heilt Körper, Seele und Geist.



Der Adventkranz - Sinnbild des ewigen Lebens?


Der Adventkranz wie wir ihn heute kennen, wurde von einem Priester Ende des 19. Jahrhunderts "erfunden". Er wand einen Kranz aus Fichtenreisig und steckte 4 Kerzen darauf. So wollte er die Wartezeit für seine Kinder verkürzen. An jedem der vier Sonntage vor Weihnachten wurde eine Kerze angezündet - so weit, so vertraut.


Doch das Symbol des Kreises ist ein Ursymbol. Der Kreis ist magisch, immerwährend - ohne Anfang und ohne Ende. Er schließt ein und zugleich aus. Die 4 Kerzen stellen die vier Himmelsrichtungen - Norden, Süden, Osten Westen, die vier Elemente (Erde, Wasser, Feuer, Luft), die vier Lebensalter (Kindheit, Erwachsenendasein, Alter, Tod) dar. Sie können auch das kleine Jahr - den Tag darstellen: Morgen, Mittag, Abend, Mitternacht oder die Mondphasen: Neumond, wachsender Mond, Vollmond, abnehmender Mond. All das sind immerwährende Kreisläufe, die in diesem Adventkranz dargestellt werden können.


Wenn wir also die erste Kerze anzünden und unsere Lieben um uns versammelt sind. Wenn sonst kein Licht leuchtet, nur die Flamme dieser einen einzigen Kerze. Dann können wir darüber nachdenken, dass dieser eine, kleine Kranz mit den 4 Kerzen darauf unser ganzes Universum darstellt.


Der Kranz wurde ursprünglich mit Immergrünen, wie Tannen, Fichten, Wacholder, Efeu und so weiter hergestellt. Erst seit ein paar Jahren ist es oft kein Kranz mehr, wird aus Plastik oder Naturmaterialien wie Rinden, Zapfen usw. gemacht. Die eigentliche Bedeutung geht dabei verloren - aber immerhin schauen diese Adventgestecke meist schön aus.



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