• Sonja Tanzer

Die Immergrüne und ihre Symbolkraft

Wenn es draußen so dunkel ist und dir selbst ein heißer Kakao und ein gutes Buch keine Aufmunterung mehr schenken können, dann geh hinaus und suche nach den Hoffnungsträgern in der Kräuterwelt: den Immergrünen. Sie begegnen dir fast überall - du musst nur deine Augen offen halten!


Inhaltsverzeichnis

01 Wider die Zeit

02 Oh Fichtenbaum, oh Nadelbaum - mütterlicher Schutzbaum

03 Der Wacholder - was drinnen ist, bleibt drinnen

04 Die Eibe - Heilung, Magie, Transformation

05 Der Efeu - vom Schatten ins Licht

06 Die Mistel - geheimnisvolle Zauberkräfte und Magie

07 Die Stechpalme - Herrin des Winters und heiliger Baum



Wider die Zeit


Jeder noch so traurigen Stimmung, jeder heranschleichenden Melancholie, jedem herbeigeredeten Trübsinn, jeder Weltungtergangsstimmung zum Trotz - die Immergrüne bleiben ihren Prinzipien treu.


Es kümmert sie schlichtweg nicht, ob die Tage kürzer werden - im Gegenteil. Manche von ihnen nehmen gerade das zum Anlass, nehmen den Impuls auf und fangen an zu blühen oder tragen gar ihre Früchte voller Stolz zur Schau. Kein Wunder: sind sie doch die einzigen Farbtupfer im grau-braunen Einerlei des Spätherbstes und des Winters.


Schauen wir uns einige der lebensstrotzenden und scheinbar so sorglosen Gesellen an. Nehmen wir uns ein Beispiel an ihrer Gelassenheit und nehmen die Gewissheit, dass nichts so düster sein muss, wie es scheint und immer noch genug Licht und Freude da ist, um überleben zu können an.




Kreis und Immergrüne - Symbole des Lebens




Oh Fichtenbaum, oh Nadelbaum - mütterlicher Schutzbaum


Wenn wir an Immgrüne denken, dann kommen uns unweigerlich die unzähligen Tannen und Fichten in den Sinn, die jedes Jahr wieder zur Weihnachtszeit unsere Wohnzimmer verschönern. Die Fichte steht als Weihnachtsbaum für den Sieg über den Tod und ist eine wahre Glücks- und Segensbringerin.


Unsere Vorfahren sahen in den Bäumen, die sogar im Winter noch grün waren - also Fichten, Tannen, Kiefern, Föhren usw. den Sieg des Lebens über den Tod. Sie waren Symbole der Wiedergeburt und Fruchtbarkeit und es gab besonders um die Wintersonnenwende große Festbarkeiten - bekannt als Yul, Jule oder eben Weihnachten.


Weil diese Bäume scheinbar sogar den Tod besiegen konnten, traute man ihnen auch die Abwehr des Bösen und von Krankheiten zu. Zugleich wurden die Bäume mit Opfergaben, wie Äpfel oder Nüsse geschmückt, damit verehrte man Fruchtbarkeitsgötter und -göttinnen. Bis man die Bäume jedoch in die Häuser holte und sie dort als Weihnachts- oder Christbäume schmückte, war es noch ein langer Weg. Erst Ende des 19. Jahrhunderts fand dieser Brauch endgültig Verbreitung. Der heutige Schmuck aus Glas oder Plastik erinnert noch an die alten Opfergaben.


In der Volksheilkunde finden Nadelbäume vielseitige Anwendung. Das Harz wird zu Salben verarbeitet, die bei Rheuma, Erkältungskrankheiten oder als Zug- und Heilsalbe eingesetzt werden. Die Nadeln wirken durchblutungsfördernd, schleimlösend und entspannend.




Der Wacholder - was drinnen ist, bleibt drinnen, was draußen ist, bleibt draußen


Der Wacholder ist eine der ältesten Räucherpflanzen und wird von Schamanen auch heute noch gebraucht, um wieder sicher und wohlbehalten von ihren Schamanenreisen zurück zu kommen. Der Wacholder wird dem wehrhaften Mars zugeordnet: alles von ihm steht im Zeichen der Abwehr. Ob es nun böse Geister, böse Viren oder böse Energien sind. Er ist ein Grenzbaum und hält das Gute drinnen und wehrt das Böse ab.


Krankenzimmer wurden mit Nadeln und Beeren vom Wacholder ausgeräuchert ebenso wie die Kranken selbst. Zu Pestzeiten gab es - in abgewandelter Form überall in Europa - folgenden Spruch: "Iss Kranebitt und Bibernell, packt dich der Diesl nit so schnell". Der weise Ratschlag: Iss Wacholder und Bibernellwurzel, dann holt dich die Seuche nicht so schnell. Hatte man die Gicht so hielt man den betroffenen Körperteil über den Rauch des Wacholders, der auf Kohlen verräuchert wurde.


Pestärzte hatten immer eine Mischung mit Wacholder in ihren langen Schnabelmasken, weil er die Luft so stark desinfiziert. Überhaupt wurde der Wacholder bei hoch ansteckenden Krankheiten immer verräuchert oder auch seine Beeren gekaut um das Immunsystem zu stärken.


Als Immergrün galt der Wacholder als unbezwingbar. Und wenn er es Feinstofflich nicht schaffte, so durch seine simple Präsenz: Wacholder ist und war ein beliebter Friedhofsbaum. Das hatte seinen Grund - der Wacholder wurde rund um den Friedhof gepflanzt, damit die Unholden nicht die Seelen der Verstorbenen holen konnten. Sie wurden nämlich von den unzähligen Nadeln magisch angezogen und verfielen in einen Zählzwang. Darüber vergaßen sie auf die Seelen der Verstorbenen. Dem Buchsbaum und der Eibe sagt man im Übrigen das Gleiche nacht.


In der Volksheilkunde wird der Wacholder häufig bei Nierenleiden, Gicht, Hautunreinheiten und Verdauungsstörungen eingesetzt. Darüber hinaus ist er als Gin wieder sehr in Mode gekommen - zurecht, wie ich meine.




Die Eibe - Heilung, Magie, Transformation


Sie ist seit Jahrtausenden der kraftvollste magische Baum, der vor dunklen Einflüssen schützt und die Verstorbenen ans Licht führen soll. Die Eibe steht für Wechsel und Veränderung und ist trotzdem der älteste heimische Nadelbaum. Die Germanen sahen in ihr die Göttin Rinda - die Seelenklärerin.


Für viele Völker ist die Eibe der Totenbaum, der auch für das ewige Leben steht. Die Eibe ist die Seelenführerin, die die Seelen durch die Anderswelt ans Licht führt. Es ist ein sehr magischer Baum und gehörte einst zu den 5 magischen Bäumen Irlands. Als Amulett bietet sie Schutz gegen Tollwut und vorallem auch gegen das Böse allgemein: "Vor der Eiben kann kein Zauber bleiben".


Die Eibe gilt als alte Weise des Waldes und hilft, sich an vorige Leben zu erinnern. Kein Wunder - kann sie bis zu 2000 Jahre alt werden. Das Eibenholz gilt eines der besten Hölzer um Bögen her zu stellen. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, dass es heute nur noch ein oder zwei ausgedehnte Eibenwälder in Mitteleuropa gibt.


Ich durfte einst in einem hohlen Eibenstamm stehen - ich kann dir sagen, die Energien dort sind mächtig und ziehen nach unten und auch nach oben. Du bist, nachdem du auf Tuchfühlung mit der Eibe gegangen bist, sicherlich nicht mehr die gleiche Persönlichkeit wie vorher.


Die Eibe ist in all ihren Teilen - bis auf die roten Fruchtmäntel - tötlich giftig. Sei also sehr vorsichtig - auch beim Räuchern!




Der Efeu - vom Schatten ins Licht


Der Efeu ist ein zwielichtiger Geselle. Er wächst gerne an Mauern und schattigen Orten, er klettert an Bäumen hinauf und bedeckt den Boden. Gerne mag er es feucht, aber ein bisschen Trockenheit ist ihm auch egal. Er ist das Symbol für das ewige Leben - unverwüstlich wie er ist, klettert und rankt er dem Licht entgegen. An seinem Fuß ist es oft modrig, dunkel und allerlei Getier fühlt sich dort wohl. Entgegen der Zeit blüht er im Herbst erst so richtig auf und gibt den letzten Hummeln, Bienen, Schmetterlingen und anderen Insekten Nahrung.


Er verbindet Gegensätze: das Dunkel seiner unteren Regionen mit dem Licht der frischen Triebe. Dieser Gegensatz zeigt er auch in seiner Blattform: die älteren Blätter sind eher Herzförmig, während die jüngeren noch die typischen Spitzen zeigen.


Auf Friedhöfen ist er oft an zu treffen. Symbolisiert er doch das ewige Leben und die Wiederauferstehung. Er ist die Symbiose von Dunkelheit und Tod mit Heiterkeit und Freude. Zu Allerheiligen, wenn man auf dem Friedhof steht und die Friedhofsmauer von Efeu bedekt nur so summt und brummt, dann bekommt man eine Ahnung vom Leben durch den Tod.


Er wird von vielen als weibliche Pflanze gesehen und steht gemeinsam mit Ilex, Tanne und Fichte für die Zeit der Wintersonnenwende und Weihnachten. Obwohl der Efeu giftig ist, wurde er früher vielseitig eingesetzt. Heute noch gibt es in der Apotheke eine Zubereitung aus Efeu gegen Husten zu kaufen. Da der Efeu unter anderem als Inhaltsstoffe Saponine enthält, die die Schleimhäute stark reizen können, ist von einer Selbstmedikation ab zu raten.


Homöopatische Mittel aus Efeu werden bei einer Unterfunktion der Schilddrüse und bei Entzündung der Nebenhöhlen vewerndet. Bei Kalbermatten kann man nachlesen, dass der Efeu die Verbindung von Unbewussetem und Bewusstem fördert. Der Efeu bringt das Dunkle ans Licht und hilft, diese SEiten unseres Seins zu integrieren. Er stehe für Angst und ihre Überwindung und löse psychisch bedingte Krampfzustände der Atmungsorgane.




Die Mistel - geheimnisvolle Zauberkräfte und Magie


Das Druidenkraut wird als Vermittler zwischen den Welten gesehen. Es ist ein Glücksbringer und bietet Schutz, aber ebenso ist es ein Symbol für Fruchtbarkeit. Seine Früchte sind im Mittwinter reif, die weißen Beeren wurden seit jeher als kosmischer Same gesehen, der die Erde befruchtet und das Licht zurück bringt.


Als Halbschmarotzer macht die Mistel zwar die Photosynthese selber, aber sie entzieht dem Wirtsbaum Nährstoffe. Sie kommt nicht überall in Europa vor, aber dort wo sie vorkommt, galt sie schon bei den Kelten als heilig und besonders.


In England gilt sie als Glücksbringer und sie soll den Frauen Fruchtbarkeit bringen. Der weit verbreitete Brauch, Misteln über den Türrahmen aufzuhängen ist nicht nur in England sehr beliebt. Soll dieser Mistelzweig doch vor allerlei Unglück, bösen Geistern, Hexen und Zauber schützen. Steht eine Frau unter dem Mistelzweig, so ist es dem Mann erlaubt, sie zu küssen. Dieser Kuss unter der Mistel soll Glück verhelfen.


In Wahrheit ist es ein Segenszauber: durch den Kuss unter dem Mistelzweig soll der Frau Percht oder auch der Frau Holle - jedenfalls der großen Muttergöttin - angezeigt werden, dass hier zwei Menschen bereit sind, eine neue Seele zu empfangen.


Die Germanen glaubten, dass dort, wo sehr viele Misteln wachsen, die Tore in andere Sphären besonders durchlässig seien - sie war die Führerin in die Anderswelt.


In der Volksheilkunde wird die Mistel bei Geschwüren, nervösen Herzstörungen, Schwindel und Epilepsie verwendet. Homöopathischen Einsatz findet die Mistel bei Alpträumen, Angstzuständen und Beschwerden bei Arteriosklerose. Darüber hinaus wurde ihr Potenzial für die Krepstherapie entdeckt.





Die Stechpalme - Herrin des Winters und heiliger Baum


Die Mistel symbolisiert den kosmischen Samen und die Mistel - durch ihre blutroten Früchte - die Weiblichkeit im Winter. Sie ist der einzige heimische, immergrüne Laubbaum in Nordeuropa! Auch die Stechpalme oder auch Ilex steht für den Winter, den Tod und die Wiedergeburt. Er schützt vor schlechten Träumen, stärkt eine positive Geisteshaltung und bietet Schutz und Hilfe bei schweren Herausforderungen.


Seine stacheligen Blätter sollen vor unliebsamen Eindringlingen schützen, wenn man sie an der Eingangstür befestigt. So wie der Holunder ist auch die Stechpalme ein beliebter Treffpunkt von Naturgeistern, Feen, Elfen und anderen Elementargeistern.


Als Bachblüte "Holly" steht der Ilex für das Prinzip der allumfassenden göttlichen Liebe - wo diese fehlt, gibt es oft Eifersucht, Hass und Neidgefühle. Holly hilft, sich mit der göttlichen Liebe zu verbinden und wieder zu innerer Harmonie zu finden.



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