• Sonja Tanzer

Kanadische Goldrute hin, Springkraut her...

Aktualisiert: 29. Sept.

Als ich heute meinen täglichen Rundgang durch meinen Garten machte, fiel mir ein Neuling auf. Zwischen Phlox und Gelenksblume waren ein paar Blätter, die - bei genauerem Hinsehen - so irgendwie garnicht in das Bild passten. Mein Blick wanderte nach oben, weiter nach oben und noch weiter nach oben. AHA - das Ende der Fahnenstange deckte das Geheimnis auf: Die Kanadische Goldrute hat es sich in meinem Garten gemütlich gemacht und überragte mit ihrem Blütenstand sogar noch den Gartenzaun.


Kein Wunder, werden die beiden, bei uns ansässigen Vertreter dieser Neophyten beide zwischen 80 und 250 cm hoch! Ganz anders als die bei uns heimische Goldrute, die ist mit ihrer Höhe von etwa 50 bis 80 cm schon zufrieden.


Neophyten? Wie jetzt? Ja, die Kanadische Goldrute (solidago canadensis) und die Riesengoldrute (solidago gigantea) gibt´s bei uns erst seit ungefähr 250 Jahren. Die Echte Goldrute (solidago virgaurea) hingegen wohnt schon immer hier. Wenn man jetzt meint, nach 250 Jahren könnte man in Sachen Integration schon ein bisschen Nachsicht üben hat man weit gefehlt! Alle Pflanzen, die NACH 1492 (du weisst schon, Columbus und so) bei uns eingeschleppt wurden, gelten als Neophyten. Wenn du jetzt argumentierst, dass ja Lavendel und Melisse und die ganzen Mittelmeerkräuter auch nicht sehr viel länger hier wohnen, dann müsste ich jetzt etwas ausholen.



Kanadische Goldrute (Neophyt)

Was ist ein Neophyt?

Das ist eine Pflanze, die nach dem Beginn der Globalisierung - also 1492 - wissentlich oder nicht in ein nicht ursprüngliches Gebiet eingeschleppt wird und sich dort eigenständig in der Natur vermehrt. Da haben wir den Salat: Dass sich die Goldruten in der freien Natur eigenständig vermehren kann niemand bestreiten - an allen Ecken und Enden sprießen die goldgelben Blüten. Von Lavendel & Co kann man das nicht behaupten.

Sie begnügen sich mit ihrem Plätzchen in unseren Gärten

und haben mit wilden Eroberungszügen und Artenverdrängung genau garnichts am Hut.


Aber ist das mit diesen Neophyten nun wirklich sooooooo schlimm?

Jein. Zuerst einmal dienen die meisten von Ihnen natürlich als Nahrungsquelle für Insekten. Wie wir wissen, nimmt die Zahl dieser unglaublich wichtigen Tier in letzter Zeit rapide ab. Ausserdem können Sie auch von uns als Nahrungsquelle genutzt werden und darüberhinaus haben viele von ihnen natürlich Heilkräfte. Die meisten Neophyten haben sich sehr gut in die heimischen Ökosysteme integriert.


ABER


Es gibt einige wenige, die verdrängen in einem gewissen Ausmaß heimische Pflanzen von ihren angestammten Plätzen, die natürlich eine extrem wichtige Rolle in diesem Ökosystem spielen. Diese Neophyten nennt man "invasive" Neophyten und die sollten möglichst in Schach gehalten werden. Bei uns in Tirol ist das Klima eher nicht so geeignet für derartige Grabenkämpfe. Aber neben den beiden Goldruten haben noch der Japanischer Knöterich, Springkraut, Riesenbärenklau & Co bei uns den Einzug geschafft.

Riesen-Goldrute (Neophyt)

Jedenfalls habe ich die drei Exemplare der Kanadischen Goldrute in meinen Garten abgeschnitten und werde sie nun für eine Tinktur bzw. für Tee verwenden. Die drei Pflanzen sind gerade richtig, mehr brauche ich nicht. Als ich so überlegt habe, was es noch für Neophyten in meinen Garten gibt, bin ich zum Schmetterlingsstrauch gekommen. Hui, da geht die Post ab! Allerlei Schmetterlinge, Bienenarten, Schwebfliegen, Marienkäfer und allerhand sonstiges Getier tummelt sich auf den duftenden, lila Blüten. Ja, auch der Schmetterlingsstrauch ist ein Neophyt der sich mittlerweile ebenfalls außerhalb unserer Gärten ausbreitet. Um das zu vermeiden, knipse ich alle verblühten Teile - also die Samenstände - ab und entsorge sie NICHT im Kompost! Ich schmeiß sie in die Feuerschale und danke für seine Fülle, die er den Insekten geschenkt hat.


Echte Goldrute (heimisch)

Zurück zur Goldrute. Alle drei bei uns auffindbaren Goldrutenarten sind in etwa gleich zu verwenden. Sie sind ein hervorragendes Mittel bei Blasenentzündungen und Beschwerden im Harntrakt (Nieren, Blase, Harngänge,...). Man verwendet sie meist als Tee und trinkt im Aktufall 3-5 Tassen am Tag davon.


Bei der heimischen Goldrute ist man ziemlich spät erst - etwa in den 1870er Jahren - auf diese Wirkung drauf gekommen. Vorher galt sie als hervorragendes Wundkraut. Man machte sich die entzündungshemmenden, antibakteriellen Eigenschaften als Waschungen, Auflagen und Salben zu nutze.

Wie du die Kraft der Goldruten und anderer Kräuter am besten einfängst, erfährst du in diesem Leitfaden "Kräuter richtig Sammeln" als gratis download von mir.






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