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  • Sonja Tanzer

Krampus & Nikolaus und noch ein paar andere - eine spannende Geschichte

Aktualisiert: 3. Dez. 2022

Ist der Krampus wirklich so ein finsterer, böser Geselle? Und wieso kommt er gerade vor dem Nikolaus? Wie passen diese zwei zusammen und warum ausgerechnet jetzt in dieser Zeit? Am End ist der Nikolaus in Wirklichkeit eine Frau? Und warum begleitet den Nikolaus ein Engel? Fragen über Fragen und ein paar spannende Einsichten und Antworten. Genieße die Adventszeit und lass dich von mir durch die Geheimnisse des Jahreskreises führen.


Inhaltsverzeichnis

01 Eine der Rauhnächte

02 ... dann kam der Nikolaus - oder war es doch eine Frau?

03 Der Krampus und die Teufel

04 Dunkelnächte



Eine der Rauhnächte


In der alteuropäischen Überlieferung waren die ersten wichtigen Tage der Innenschau der 5. und 6. Dezember. Der 5. galt als Tag der Abrechnung im Sinne von Rückschau halten auf das eigene Handeln im vergangenen Jahr. Man betrachtete seine eigene dunkle Seite, also die Vergehen, derer man sich schuldig gemacht hatte. Und durchlief eine Art Läuterung. Die Menschen schauten, dass sie sowohl mit sich, mit ihrer Familie aber auch mit ihrem Umfeld ins Reine kamen. Es ging darum, das „Gute Gewissen“ wieder herzustellen. Hierzu brauchte es manchmal ganz schön viel Mut, man nimmt sich nicht gerne selbst bei der Nase und gesteht sich seine Fehler ein oder macht von sich aus ein Friedensangebot.


Die Nacht vom 5. auf den 6. Dezember ist eine der Rauchnächte - kein Wunder, geht es doch um einen Reifeprozess, den man zu durchlaufen hat. Da ist Rat und Hilfe aus der Anderswelt willkommen. Der Blick in die Abgründe der Seele mutet manchmal gar schauderlich an, genau so, wie die Gestalten, die in der jüngsten Geschichte zu dieser Zeit ihr Unwesen treiben.


Das war aber nicht immer so. In früheren Zeiten wusste man: ab dem 5. Dezember geht in einem stillen Brauch die Percht um. Von der Percht habe ich bereits im letzten Blogbeitrag erzählt. Sie hatte nichts schreckliches an sich, im Gegenteil. Sie war die strahlende, helle, weiße Frau. Sie sah nach dem Rechten und dort, wo man redlich war sie freundlich, brachte Gaben und dort, wo man unrecht tat, mahnte sie. Niemals grausam und niemals ungerecht.


Ein schöner Anblick ist sie nach einigen Schilderungen nicht: große, hervorstehende Zähne soll sie haben und uralt soll sie sein. Ihr Gesicht gezeichnet von Falten und trotzdem voller Wohlwollen und Güte.




...dann kam der Nikolaus - oder war es doch eine Frau?


Am 6. Dezember wurde das Gute beziehungsweise die Wiedergutmachung in den Vordergrund gestellt. Die Verkörperung dieser Prinzipien kennen wir heute noch als Nikolaus, der das Gute belohnt, und als Krampus, der das Böse bestraft. Aber diese Polarität ist eine Erfindung des Christentums. Gutes und Böses - Belohnung und Bestrafung. So schwarz-weiß ist die Geschichte nicht, sie ist vielfältiger. Es geht nicht um Bestrafung, es geht um das Reifen und um das Lernen. Die Seele darf in dieser Zeit lernen - und dafür bekommt sie alle Unterstützung, die sie braucht. Von der Percht und von anderen wohlwollenden Energien.


Der Bischof aus der heutigen Türkei ist historisch belegt und hat mit der Mystik und den mitteleuropäischen Traditionen in dieser Zeit voller Geheimnisse nichts zu tun. Dazu komme ich in einem späteren Beitrag, dann, wenn es um den Weihnachtsmann geht.


Es ist noch nicht so lange her, da kam in manchen Teilen Österreichs am 6. Dezember die Nikolausfrau in die Häuser. Sie trug weiße Blusen und Kleider und ihre Haare waren offen und weiß. Sie brachte einfache, aber hochgeschätzte Gaben: Nüsse, Äpfel und wo es ihn gab, Lebkuchen. Noch lange kam eine Frau als "Nikolaus", bis er dann doch noch männlich wurde und sie schließlich nur noch seine Begleitung war. Aber so ganz ohne die weiße Ahnfrau kommt der gute Mann halt doch nicht aus.


Wenn heute der Nikolaus kommt, dann begleitet ihn ein Engel: weiße Kleider, weiße Haare und einen Korb voll mit Gaben. Gewisse Zusammenhänge lassen sich einfach nicht leugnen. Auch wenn die Gaben heute ähnlich sind: Nüsse gibt es wohl meistens, ein Apfel ist heute nichts mehr besonderes und auch dessen Symbolik ist leider in Vergessenheit geraten. Oft gibt es stattdessen Mandarinen, Schokolade und für die Kinder noch ein zusätzliches, gekauftes Geschenk.


Auch der Knecht Ruprecht ist ein Begleiter vom Nikolaus. Er kommt von drauß vom Wald - er ist der Grüne Mann aus der Keltischen Tradition. Der Begleiter der Göttin durch das Jahr.




Der Krampus und die Teufel


Die heutigen Höllen- oder Krampusläufe sind zwar eindrucksvoll, aber in dieser Zeit völlig fehl am Platz. Sie verbreiten Lärm, Unruhe und Hitze, also genau das Gegenteil von dem was die Zeitqualität vermittelt. Oft werden dieser Lärm und die Unruhe damit begründet, dass die bösen Wintergeister ausgetrieben werden müssten. Doch ist dafür noch nicht Zeit - das kommt dann eher im Jänner oder Feber.


Fälschlicherweise werden diese dunklen Gesellen auch manchmal als Perchten bezeichnet, doch haben sie mit den wirklichen Perchten nichts zu tun. Weder die Zeit noch die Masken stimmen – sie weichen von der ursprünglichen Darstellung der Naturkräfte weit ab. Erinnern die heutigen Masken doch eher an Geisterbahn oder Horrorfilme.


Dieser Brauch der Krampusumzüge ist etwa 100 - 120 Jahre alt. Und doch....wieso setzen sich Männer extrem schwere Masken auf - einige davon wiegen bis zu 7-8 kg? Warum hängen sie sich stinkende Felle um und präsentieren stolz ihr männliches Gehabe? Woher kommen die Ruten? Und wenn sich die Mädchen und Frauen so fürchten: Warum bleiben sie nicht zuhause, wo sie in Sicherheit sind? Weshalb gehen sie hinaus und necken die Krampusse, nur um dann (bestenfalls) einen leichten Klapps mit der Birkenrute und etwas Ruß ab zu bekommen?


Das sind archaische Wurzeln, die hier wirken. Der Schlag mit der Rute soll Fruchtbarkeit bringen und....der Rest? Ist so alt wie die Menschheit. Man geht davon aus, dass vermummte Gestalten die Ahnen der Sippe und wohlwollenden Naturgeister darstellen sollten. Sie besuchten die Sippengemeinschaften aus der Anderswelt um ihren Nachfahren gute Gaben, Glück und Segen zu bringen. Die Lebensrute soll dabei Symbol dafür sein, dass die toten Seelen bald wieder kommen und in "ihre" Sippe wiedergeboren werden.


Früher behandelte man die Verstorbenen wie Sippenmitglieder, sie waren halt einfach nicht sichtbar. Man lud sie zu verschiedenen Anlässen zu Tisch und die Toten unterstützten ihre lebenden Verwandten in ihrem Schicksal und brachten Segen aus der Anderswelt.


Interessant ist, dass die Krampusse immer mit Hörnern am Kopf daher kommen. Oft in Ziegen- oder Schaffelle gehüllt. Der Gehörnte ist der Vegetationsgott, der die Göttin durch das Jahr begleitet. In Überlieferungen ist auch er um diese Zeit uralt - der Korngott oder der Alte, wurde er bereits in der Erntezeit genannt.


Obwohl der Gehörnte meist als Hirsch dargestellt wird, kann er auch als Ziegenbock - in Mitteleuropa auch als Habergeis (Haber = Ziegenbock, Geis = die weibliche Ziege) bekannt- in Erscheinung treten.





Dunkelnächte


Am 8. Dezember - also 13 Tage vor der Wintersonnenwende - beginnen die sogenannten Sperr- oder Dunkelnächte. Es bricht die allerdunkelste Zeit im Jahr an. Jetzt geht es an´s Eingemachte: früher mussten in dieser Zeit alle Räder - ob Wagen- oder Spinnräder - still stehen. Ebenso wie in den Raunächten selber. Man bereitete sich auf die Raunächte vor: sind diese eher auf die Zukunft gerichtet, beschäftigt man sich in den Dunkelnächten mit dem Vergangenen. Es geht - wie in der Nacht vom 5. auf den 6. - um das Aufräumen. In einem selbst und in den zwischenmenschlichen Beziehungen.


Früher wurden alle Geräte und alles, was nicht niet- und nagelfest war, weg gesperrt. Die Percht ging ja bereits mit ihrem wilden Gefolge um und man wollte unter gar keinen Umständen ihren Unmut auf sich ziehen.


In diesen 13 Tagen blickte man zurück auf das Jahr und ließ es revue passieren. Wer nicht mehr unbedingt hinaus und besonders in den Wald musste, blieb im Haus. Die Wälder gehörten nun vollends der Percht und all den mythischen Wesen, den Naturgeistern und den Tieren.


Wenn dir die Idee der Vorbereitung auf die 12 Rauchnächte gefällt und wenn du unbelastet in das Neue Jahr hinüber gehen möchtest, dann hol dir doch hier die Denkanstöße für die 13 Dunkelnächte - es lohnt sich!








Übrigens: Wir sind mitten in der triefenden-Nasen-Zeit! Wenn du es noch nicht gemacht hast, dann hol dir die 12 goldenen Rezepte für die Schnupfenzeit über die Newsletter Anmeldung.


Wenn du mehr über die Abläufe im Kräuterjahr, die wichtigsten Kräuter für deine Hausapotheke und die Heiligen Zeiten erfahren möchtest, dann habe ich bald etwas für dich. Mitte Jänner startet mein Online-Kräuterkurs. Wenn du dich für die Kräuterfrauen-Clanpost anmeldest, bekommst du rechtzeitig alle Informationen.







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